Wiesel-Kommission ist der gebräuchliche Name für die Internationale Kommission zur Erforschung des Holocaust in Rumänien.

Die Jüdische Gemeinde unter dem Antonescu-Regime und ihre Reaktion auf den Holocaust in Rumänien

Das gesamte Netzwerk der Jüdische Gemeinde, bestehend aus Religionsausübung, Gemeindeleben, Erziehung und Sozialfürsorge sah sich während des Antonescu-Regimes der Notwendigkeit gegenübergestellt, den materiellen, moralischen, sozialen und intellektuellen Bedürfnissen der Juden gerecht zu werden. Wilhelm Filderman, der Leiter der Föderation der Verbände der Jüdischen Gemeinden Rumäniens (FUCE) spielte in den Jahren 1940 - 1941 die Hauptrolle. Obwohl er sich auf die Lösung der täglich neu anfallenden Probleme konzentrieren musste, waren seine Bemühungen nicht bloß administrativer Natur. Filderman wandte verschiedene Taktiken an; er reichte zum Beispiel Petitionen ein und bemühte sich um Audienzen bei wichtigen Persönlichkeiten aus Politik und Kirche, die in den Regierungskreisen einflussreich und bereit waren, zu Gunsten der Juden zu intervenieren. Zwischen September 1940 und dem 16. Dezember 1941 versuchte die Föderation, die durch die antisemitischen Maßnahmen entstandenen Probleme durch die Einreichung von Petitionen zu lösen, die sie an Antonescu und andere Würdenträger adressierte. Filderman formulierte seine Interventionen deutlich und stützte seine Argumentation auf statistische, historische und politische Daten, die das gesamte Ausmaß der negativen Folgen der antisemitischen Maßnahmen für ganz Rumänien, nicht nur für die Jüdischen Gemeinden, offenbarten. Er wies ebenfalls darauf hin, dass die antisemitischen Maßnahmen in Rumänien häufig härter waren, als bei den übrigen Achsenmächten.

Nach Durchführung der ersten antisemitischen Maßnahmen durch den Nationalen Legionärsstaat, ging die FUCE davon aus, dass die Legionärsbewegung die größte Bedrohung für die jüdische Bevölkerung und für Rumänien im Allgemeinen darstellte. In diesem Kontext versuchte die FUCE, eine direkte Verbindung zur Staatsführung zu knüpfen. Gegen die Entscheidung des Religionsministers, die Synagogen zu schließen und die Gemeindeaktivitäten zu untersagen, formulierte die Föderation am 11. September 1940 die erste Protestnote, die Filderman am 17. September Antonescu persönlich übergab. Antonescu antwortete mit leeren Versprechungen, nämlich, dass die Juden weder in politischer noch in wirtschaftlicher Hinsicht zu leiden haben würden. Selbst wenn der Protest offensichtlich wirkungslos blieb, hörte die FUCE nicht auf, Memoranden an die Regierung zu adressieren, die die Daten und Fakten zu den Übergriffen und Gewalttaten der Legionäre gegen die Juden enthielten.

Nach dem Ausschluss der Legionäre aus der Regierung und der Umbildung der Regierung Antonescu, sah sich die jüdische Bevölkerung neuen Formen der antisemitischen Politik gegenübergestellt. Die Führung der FUCE forderte von der Regierung die Rückgabe der von den Legionären geraubten Güter, die Aussetzung der illegalen Schließung jüdischer Firmen und die Verlangsamung des Rumänisierungsprozesses. Mehr noch, sie verlangte von der Regierung, die Gesetze hinsichtlich der Enteignung des städtischen Eigentums abzuändern, die Ghettobildung zu stoppen, den aggressiven Sprachgebrauch aus den offiziellen Dokumenten zu verbannen und damit aufzuhören, die Juden als Saboteure zu verleumden. Darüber hinaus forderte sie die rumänische Regierung auf, die volkswirtschaftlichen Schäden anzuerkennen, die durch die Entlassungspolitik gegenüber den Juden verursacht wurden, und forderte für jüdische Handwerker und Lehrlinge das Arbeitsrecht ein.

Was das Pogrom von Iași anbetrifft, konzentrierte die Führung der FUCE ihre Bemühungen auf die Hilfe für die Überlebenden, die mit Todeszügen nach Călărași-Ialomița und Podu Iloaiei deportiert worden sind. Nach den blutigen Ereignissen von Iași, appellierte die Führung der FUCE offiziell an die Juden, ein Höchstmaß an Gemeinschaftssinn und Gesetzestreue an den Tag zu legen. Sie wurden aufgefordert, die Verdunklungsvorschriften zu befolgen, Gerüchte weder zu beachten noch zu verbreiten, die Erörterung militärischer und politischer Fragen zu unterlassen, Lebensmittel nicht zu horten oder zu verschwenden und schließlich, die Armee zu respektieren. Filderman und seine Kollegen haben einen entschlossenen Kampf gegen den Zwang zum Tragen des Judensterns geführt. In einem Memorandum vom 6. September an Nicodim, den Patriarchen von Rumänien, forderten Filderman und der Oberrabbiner Șafran, Schutz für die Juden im Namen der Religion und der Menschenrechte. Am 8. September erhielt Filderman eine Audienz bei Marschall Antonescu. Es ging bei diesem Treffen hauptsächlich um den Zwang für die Juden, den Judenstern zu tragen. In letzter Konsequenz gab Antonescu dem Drängen von Filderman nach.

Unter dem Eindruck der Nachrichten, die aus Bessarabien und der Bukowina eintrafen, schrieb Filderman zwei flehentliche Briefe (9. und 11. Oktober 1941) an Marschall Antonescu, mit dem Ziel, die Deportationen zu stoppen, denn diese kamen für die Menschen Todesurteilen gleich, nur deshalb, weil sie Juden waren. Am 19. Oktober richtete Filderman einen weiteren Protestbrief an Ion Antonescu. Antonescu lehnte es aber ab, seine Entscheidung zur Deportation der Juden zu revidieren und klagte im Gegenzug vor allem die aus Bessarabien und der Bukowina stammenden Juden an, die Schuld an dem "schrecklichen Schicksal des rumänischen Volkes im Jahr 1940" zu tragen. Einige Tage später, am 26. Oktober, veröffentlichten alle großen Zeitungen die Antwort von Marschall Antonescu auf das Schreiben von Filderman. Der Führer hielt Filderman vor, dass er sich von einem Angeklagten in einen Ankläger verwandelt hätte, der Juden verteidigt, die für "hasserfüllte Aktionen gegen das tolerante und gastfreundliche rumänische Volk" verantwortlich seien.

Unbeirrt setzte Filderman seinen Kampf fort. Am 25. Oktober richtete er ein Antwortschreiben an Antonescu, in dem er seine Unterstützung für die gnadenlose Bestrafung der Schuldigen anbot, gleichzeitig aber dagegen protestierte, Unschuldige in den Tod zu schicken. Er erhärtete seine Argumentation durch die Feststellung, dass die Juden nicht mit dem Bolschewismus gleichgestellt werden dürfen, ebenso wenig, wie das rumänische Volk mit der Eisernen Garde verwechselt werden darf. Mit Hinweis auf die Loyalität der Juden gegenüber Rumänien, unterstrich Filderman am 3. November, dass die Juden an den Befreiungskriegen des Landes teilgenommen und niemals gegen die Interessen des rumänischen Staates und des rumänischen Volkes gehandelt hätten. Der militante Ton der FUCE erzürnte die rumänischen Machthaber und den deutschen Berater für jüdische Angelegenheiten, Gustav Richter. In der Konsequenz wurde die FUCE am 16. Dezember 1941 aufgelöst.

Nach der Auflösung der FUCE wurde die Judenzentrale in Rumänien die einzige Organisation, die berechtigt war, die Interessen der Jüdischen Gemeinde wahrzunehmen und das Gemeindeleben zu organisieren. Marschall Antonescu genehmigte persönlich den politischen und organisatorischen Rahmen der Judenzentrale, die per Gesetz der Kontrolle von Radu Lecca unterstellt wurde. Die örtlichen jüdischen Gemeinden entfalteten, ebenso wie alle übrigen jüdischen Institutionen, ihre Aktivitäten unter der Kontrolle der Zentrale. Die Führung der Zentrale forderte wiederholt Gehorsam ein und drohte mit einem ganzen Spektrum schwerer Strafen. Die erste offizielle Aufgabe, die die Judenzentrale erhielt, bestand darin, ein Verzeichnis derjenigen zu erstellen, die "jüdisches Blut" in den Adern hatten. Diese Aufgabe folgte dem deutschen Modell, in dem gleichartige Aufgaben vom Judenrat erledigt wurden. Dieser Zensus wurde für nötig erachtet, um einen genauen Überblick über die Anzahl der Juden zu erhalten - ein unabdingbarer Schritt für die bürokratische Organisation der Deportationen, der Zwangsarbeitslager und der physischen Vernichtung.

Gleichwohl er an den Rand gedrängt wurde, stand Filderman stets an der Spitze der Rettungsaktionen für die Juden. Er blieb somit der wichtigste Repräsentant der Juden in Rumänien, führte den Kampf gegen die Wiederaufnahme der Deportationen nach Transnistrien in 1942 und bezog Position gegen die Deportationen aus Südtranssilvanien und dem Banat in die nationalsozialistischen Vernichtungslager, wie dies von den Deutschen gefordert wurde. Seine Rettungsbemühungen wurden durch die Aktivitäten der örtlichen Vertreter der Juden in Transsilvanien und dem Banat unterstützt und der dadurch von den Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde auf das Antonescu-Regime ausgeübte Druck, trug zu der Entscheidung der Regierung bei, die Massendeportationen der rumänischen Juden zu verschieben.

Im Frühjahr 1943 entschied die Regierung, den Juden eine neue Sonderabgabe von 4 Milliarden Lei aufzuerlegen. Radu Lecca sandte diese Entscheidung an die Judenzentrale am 11. Mai 1943. Gingold, der Chef der Zentrale, lud Filderman und andere Verantwortliche in der Gemeinde zu einem Beratungsgespräch ein. Filderman widersetzte sich der Zahlung und protestierte gegen die Steuer. Antonescu empfand den Protest als "unverschämt" und ließ Filderman Ende Mai 1943 nach Transnistrien deportieren. Letztendlich wurde er jedoch nach drei Monaten befreit, als Folge von Protesten von wichtigen Persönlichkeiten aus der rumänischen Politik, zu denen auch König Michael, die Königinmutter Elena und der Führer der PNȚ, Iuliu Maniu, gehörten.

Die Chronologie der Audienzen von Filderman bei verschiedenen Ministern und anderen Würdenträgern im Frühjahr und Sommer 1944 wirft ein Schlaglicht auf einige der existenziellen Probleme, denen sich die Jüdische Gemeinde in dieser Schlussphase der Konfrontation mit der antisemitischen Politik des Antonescu-Regimes gegenübersah. Filderman stellte sich gegen den Beschluss, Juden der "Ausnahmekategorien", d. h. aus den "rumänisierten" Familien, zu deportieren und sprach über die Notwendigkeit, die Sicherheit der Juden in verschiedenen Gebieten zu gewährleisten, und zwar in dem Maße, wie sich die Front näherte. Er forderte, den Juden zu gestatten, Städte mit einer großen Konzentration deutscher Truppen verlassen zu dürfen und verlangte Klarstellungen hinsichtlich der Regierungspläne, die Juden aus der Moldau-Region zu ghettoisieren. Gleichfalls protestierte er gegen die Entscheidung, jüdische Arbeitsdiensteinheiten im Norden der Moldau-Region einzurichten.

Die FUCE und die Judenzentrale haben gleichermaßen Sozialfürsorge in diesen Zeiten staatlicher Unterdrückung geleistet. Das Autonome Hilfskomitee (CAA, gegründet 1941) spielte hierbei eine wichtige Rolle. Die CAA verfügte von Anfang an über Mittel von Seiten des American Jewish Joint Distribution Commitee. Im Januar reiste die erste Delegation der CAA und der Sozialfürsorgeabteilung der Judenzentrale nach Transnistrien. Zudem bemühte sich die Jüdische Gemeinde, eine ärztliche Versorgung für die jüdischen Arbeitsdiensteinheiten anzubieten, denn dafür wurden von der Regierung zu keinem Zeitpunkt Mittel zur Verfügung gestellt.

Am 25. Februar 1944 bat Filderman um eine Audienz bei dem Minister des Inneren und forderte bei dieser Gelegenheit nochmals die Repatriierung aller Deportierten und präsentierte dieses Problem als eine Frage von Leben und Tod für die Betroffenen. Eine partielle Repatriierung begann erst in der zweiten Dezemberhälfte 1943. Am 20. Dezember wurden die 6.053 Einwohner von Dorohoi, die die Deportationen überlebt hatten, in ihre Stadt zurückgeschickt. Am 6. März 1944 wurden 1.846 von den über 5.000 Waisenkindern repatriiert. Die generelle Repatriierung wurde von Antonescu im März 1944 befohlen, aber diese Entscheidung kam zu spät, um die Repatriierung der letzten Deportiertengruppe rechtzeitig zu organisieren; diese Gruppe war - wie der Zufall es will - die zahlreichste. Lediglich folgende Deportierte konnten per Eisenbahn repatriiert werden: die Einwohner von Dorohoi, Waisenkinder, die 500 politischen Häftlinge aus dem Lager Vapniarka und die in Grossulovo Internierten. Zwischen dem 17. und dem 30. März 1944 organisierten die CAA und Vertreter der Sozialfürsorgeabteilung der Judenzentrale, zusammen mit rumänischen Behörden, die Repatriierung von 2.538 Menschen aus verschiedenen Lagern und Ghettos in Transnistrien.

Da die jüdische intellektuelle Elite in Bukarest konzentriert war, ist es nachvollziehbar, dass das jüdische Kulturleben hier außerordentlich intensiv war; ganz anders in der Provinz, wo die Synagogen, Schulen und jüdischen Intellektuellen ihre traditionelle Bedeutung für die Kultur eingebüßt hatten, während die jüdischen Schulen als letzte Bastion auf dem Weg zur vollständigen Ghettoisierung verblieben waren.

Die Deportationen der Roma und deren Behandlung in Transnistrien

Bei der Volkszählung von 1930 erklärten 262.501 Personen (1,5% der rumänischen Bevölkerung), Zigeuner zu sein. Die Mehrzahl davon lebte am Rand der Gemeinden, aber im Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung und insbesondere nach der Bodenreform von 1920, erlangten viele von ihnen einen sozialen Status, der sich kaum von demjenigen der rumänischen Bauern unterschied. Mehr noch, die soziale und wirtschaftliche Entwicklung vieler Roma brachte es mit sich, dass es unter den Roma zu einer Elite neuer Ausprägung (Künstler, Händler und Intellektuelle) kam, welche sich um die Probleme der Gemeinde bemühte und entsprechende Roma-Organisationen schuf. Der rumänische Nationalismus in der Zwischenkriegszeit ging im Allgemeinen nicht mit Bekundungen gegen die Roma einher und die Rumänisierungspolitik der Regierung Goga aus dem Jahr 1938 sowie die Königsdiktatur hatten nicht die Roma in ihrem Fokus. Obwohl die Verfassung aus Februar 1938 zwischen "Rumänen dem Blute nach" und "rumänischen Staatsbürgern" zum Nachteil der Letztgenannten unterschied, wurde diese Unterscheidung zwar auf Juden und andere ethnische Gruppen angewendet, jedoch nicht auf Roma.

Dennoch gerieten die Roma in den 30er Jahren ins Fadenkreuz einiger rumänischer Anhänger der Eugenik. Beeinflusst von den Gedanken eines Robert Ritter, der die diesbezüglichen theorethischen Grundlagen in Nazi-Deutschland schuf, betrachteten diese rumänischen Rasseforscher die Roma als "Plage". Um ihre Anschauungen zu untermauern, machten sie daraus ein Rassenproblem und behaupteten, dass die Roma, als Almosenempfänger vom Rand der Gesellschaft, mit ihrer hohen Kriminalitätsrate die "Rassenreinheit" der Rumänen gefährden. Sie gingen sogar so weit, die Zwangssterilisation der Roma vorzuschlagen.

Nachdem die Eiserne Garde an die Macht kam, erwägte sie eine rassistische Politik gegen die Roma, die jedoch nicht umgesetzt wurde, so lange die Legion Regierungsverantwortung trug. Gleichwohl die Roma in den rumänischen Sozialwissenschaften vor dem Zweiten Weltkrieg kein Problem darstellten, fingen während des Krieges einige Forscher an, sich mit einem so genannten "Zigeunerproblem" zu befassen. Eine derartige Studie aus dem Jahr 1944 regte an, die Zigeuner in einem Randgebiet von Rumänien zu konzentrieren, sie nach Transnistrien zu deportieren oder zu sterilisieren. Der politische Druck und die Zunahme der fremdenfeindlichen und rassistischen Positionen bilden eine Erklärung für das neu erwachsene Interesse an den Roma. Selbst wenn es sich nur um vereinzelte Meinungsäußerungen handelte, spielten die Auffassungen, die in den 30er- und 40er-Jahren in der rumänischen Gesellschaft aufkamen, eine bestimmende Rolle zur Vorbereitung der Politik der Antonescu-Regierung gegenüber den Juden und den Roma.

Die Deportation der Roma nach Transnistrien - von der Idee bis zu ihrer Durchführung - war vollständig das Werk der Regierung Antonescu. Der Umfang der Deportationen unterlag der persönlichen Entscheidung von Antonescu, wie er selbst, später, während eines Prozesses von 1946, bekannte. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass keiner der Befehle in Bezug auf die Roma die Unterschrift von Antonescu trug oder veröffentlicht wurde, weder in den Amtsblättern noch an anderer Stelle. Alle diese Befehle wurden von Antonescu seinen Ministern mündlich erteilt und von dem Generalinspektorat der Gendarmerie ausgeführt. Die Tatsache, dass Antonescu akribisch die Ausführung seiner Befehle verfolgte, lasst darauf schließen, dass die rumänische Politik gegen die Roma zur Zeit des Zweiten Weltkrieges sein Werk war.

Die von Gendarmerie und Polizei im ganzen Land am 25. Mai 1942 durchgeführte "Volkszählung" der Roma wurde von Marschall Antonescu angeordnet und hatte den Zweck, diejenigen Personen zu bestimmen, die zu der "Problemkategorie der Roma" gezählt wurden. Es wurden, zusammen mit ihren Familien, folgende Personengruppen erfasst: umherziehende Roma, sesshafte Roma, sofern es sich um verurteilte oder rückfällige Straftäter handelte, weiterhin Roma die keine eigenen Existenzmittel bzw. keine existenzsichernde Beschäftigung hatten. Aus einer Bevölkerungsgruppe von 208.700 Roma wurden 40.909 Menschen in diesen Listen registriert, unterteilt in 9.471 umherziehende und 31.438 sesshafte Roma. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, handelte es sich bei den ca. 25.000 nach Transnistrien "evakuierten" (deportierten) rumänischen Roma um diejenigen Menschen, die in den von Gendarmerie und Polizei Ende Mai 1942 erstellten Listen verzeichnet waren.

Die Deportationen begannen am 1. Juni 1942; zunächst wurden die umherziehenden Roma deportiert. Angefangen mit diesem Tag, wurden sie von den Gendarmen in den Kreishauptstädten zusammengetrieben und anschließend nach Transnistrien verbracht. Die umherziehenden Roma mussten sich zu Fuß oder mit ihren Pferdefuhrwerken von Rastplatz zu Rastplatz fortbewegen. Dieser Transport zum Bestimmungsort nahm daher mehrere Wochen in Anspruch. Die Operation wurde offiziell am 15. August 1942 abgeschlossen. Bis zum 2. Oktober 1942 wurden insgesamt 11.441 umherziehende Roma (2.352 Männer, 2.375 Frauen und 6.714 Kinder) nach Transnistrien deportiert.

Was die sesshaften Roma anbetrifft, begannen die Behörden zunächst damit, sie in verschiedene Kategorien zu unterteilen. Als erstes wurden die Roma deportiert, die als "gefährlich und unerwünscht" galten; dies waren, zusammen mit ihren Familien, insgesamt 12.497 Personen. Die übrigen 18.941 Roma sollten zu einem späteren Zeitpunkt deportiert werden. Die Deportationen der sesshaften Roma begannen erst im September. Sie erfolgten im Zeitraum 12. bis 20. September 1942, wobei neun Sonderzüge eingesetzt wurden, die von verschiedenen Städten des Landes abgingen.

Im Verlauf dieses Monats wurden 13.176 sesshafte Roma nach Transnistrien deportiert. Ein Gerücht wurde in die Reihen der Roma gestreut, wonach man ihnen, einmal in Transnistrien angelangt, Land zuweisen würde. Während der Deportationen kam es zu zahlreichen Ausschreitungen durch die Gendarmen und Polizisten, die die Deportationszüge begleiteten. Diese Deportationen sorgten für Unruhe unter den rumänischen Soldaten, die sich zu diesem Zeitpunkt an der Front befanden und selbst Roma waren. Die Roma wurden mit Gewalt aus ihren Häusern getrieben, ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Hab und Gut mitzunehmen oder ihr Eigentum zu verkaufen. So gelang es den Chefs der Gendarmerieposten und der örtlichen Polizeidienststellen in vielen Fällen, die Habe und das Vieh der Roma zu Spottpreisen zu erwerben. Die Häuser und das übrige Eigentum der Roma wurden von dem Nationalen Zentrum für Rumänisierung beschlagnahmt.

Die letzten Deportationen fanden im Dezember 1943 statt, als in Transnistrien ein Transport mit 57 Roma aus Pitești und dem Kreis Argeș eintraf. Die Gesamtzahl der zwischen Juni 1942 und Dezember 1943 nach Transnistrien deportierten Roma liegt mindestens über 25.000. Anfang Oktober 1942, nach den zwei großen Deportationen, befanden sich in Transnistrien 24.686 Roma, 11.441 umherziehende, 13.176 sesshafte und weitere 69 aus den Strafanstalten. Diese Zahl wuchs später um einige Hundert, als diejenigen "unerwünschten" Roma deportiert wurden, die zunächst inhaftiert waren, weil es ihnen gelungen war, sich den großen Operationen zu entziehen.

Die Roma wurden am Rande oder innerhalb einiger Dörfer im Osten von Transnistrien entlang des Bug in den Kreisen Golta, Oceacov und Berezovca angesiedelt; fast alle sesshaften Roma wurden in den Kreis Oceacov deportiert. Bestimmte Zonen dieser Dörfer wurden für sie reserviert, sofern nicht vorher bereits die gesamte Bevölkerung der Dörfer ausgesiedelt worden ist.

Die Lage der Roma in Transnistrien war von Anfang an sehr schwer. Sie erhielten nur in einem sehr geringen Umfang Arbeitsmöglichkeiten und Existenzmittel. Die Lebensbedingungen in Transnistrien waren sehr hart. Die Roma erhielten nicht genügend Nahrungsmittel und hatten keine Möglichkeit, zu überleben. Die von der Regierung festgelegten Nahrungsmittelrationen wurden nicht eingehalten; manchmal wurden ihnen sogar wochenlang keinerlei Nahrungsmittel zur Verfügung gestellt. Da man ihnen auch kein Brennholz gab, hatten sie keine Möglichkeit, zu kochen oder sich aufzuwärmen. Die Kleidung stellte ein weiteres großes Problem dar, denn den deportierten Roma wurde es verwehrt, Kleidung oder persönliche Gegenstände mitzunehmen. Den Deportierten fehlten die elementaren Güter, wie zum Beispiel Geschirr zur Essenszubereitung. Eine ärztliche Versorgung war so gut wie nicht vorhanden und Medikamente fehlten völlig. Diejenigen, die das Glück hatten, Gold zu besitzen, über rumänisches Geld oder andere Wertgegenstände zu verfügen, gelang es, Nahrung von der lokalen Bevölkerung zu kaufen.

Bis zum Frühjahr des Jahres 1943 war die Lage der Deportierten in jeder Hinsicht verzweifelt. Es starben Tausende Roma. Eigentlich fanden fast alle Todesfälle, die sich in den Reihen der nach Transnistrien deportierten Roma ereigneten, im Winter 1943/1944 statt. Ein Bericht der Präfektur des Bezirks Landau an die Präfektur des Kreises Berezovca über den Ausbruch einer Fleckentyphusepidemie, die Mitte Dezember 1942 in den Lagern der Roma wütete, nennt die Zahlen für den Bezirk Landau. Die Zahl der Roma ist demnach von 7.500 auf ca. 1.800 - 2.400 zurückgegangen. Die Situation in Landau stellte zwar eine Ausnahme dar, jedoch wurden damals überall zahlreiche Todesfälle registriert. In einem Bericht der Gendarmerielegion von November 1943 hieß es, dass die in dem Arbeitslager Golta internierten Roma vor dem Hungertod standen.

Die Beschlagnahme der Pferde und Fuhrwerke, die den Roma als "mobile Wohnungen" und Verdienstmöglichkeiten dienten, hat insbesondere die umherziehenden Roma betroffen. Der Gouverneur von Transnistrien, Gheorghe Alexianu, erließ einen entsprechenden Befehl am 29. Juli 1942. Unter diesen Bedingungen sind viele nach Transnistrien deportierte Roma an Hunger, Kälte oder Krankheiten gestorben. Es existiert kein Dokument, das beweist, dass die rumänischen Zivil- oder Militärbehörden in Transnistrien Hinrichtungen der Roma veranlasst hätten. Dennoch hat es Fälle von Erschießungen von Roma durch Gendarmen gegeben, wie es in Trihați (Kreis Oceacov) geschah, wo, gemäß einem Bericht von Mai 1943, Gendarmen Roma erschossen haben, die aus den Nachbardörfern auf Arbeitssuche dorthin gekommen waren.

Die genaue Zahl der in Transnistrien umgekommenen Roma ist nicht genau bekannt. Am 14. März 1944, als die rumänischen Staatsbürger - ungeachtet ihrer Herkunft - aus Transnistrien evakuiert wurden, berichtete der Stellvertretende Generalinspekteur der Gendarmerie von Odessa, dass sich auf seinem Territorium 59.916 Juden und 12.083 Roma aufhielten. Die letztgenannte Zahl steht für die Roma, die die Deportationen überlebt haben. Diese Zahl muss um die Anzahl der Roma erhöht werden, denen die Flucht aus Transnistrien vor dem vorgenannten Datum gelungen ist. Dazu zählen sowohl die Roma, die aus verschiedenen Motiven repatriiert wurden, als auch diejenigen, die Transnistrien illegal verlassen hatten, ohne gefasst und erneut deportiert zu werden. In diese Kategorie fallen ca. 2.000 Roma, was die Zahl der Überlebenden auf ca. 14.000 erhöht. Das bedeutet, dass von den über 25.000 deportierten Roma, etwa 11.000 gestorben sind, während 14.000 überlebt haben. Die Roma, die die Deportationen überlebt haben, kehrten im Frühjahr 1944 ins Land zurück, gleichzeitig mit dem Rückzug der Armee und der rumänischen Besatzungsbehörden vor der sowjetischen Offensive.

Zusammen mit der Entfernung der Regierung Antonescu von der Macht am 23. August 1944 und der Aufhebung der rassistischen Gesetzgebung, hörte auch die romafeindliche Politik des Regimes auf. Am 13. September 1944 erließ der Stellvertretende Staatssekretär der Polizeibehörde den Befehl, alle aus Transnistrien zurückgekehrten Roma "in ihren Beschäftigungen zu belassen und Maßnahmen zu ergreifen, um ihnen verschiedene Arbeitsmöglichkeiten zuzuweisen."

Da lediglich ein Teil der Roma deportiert worden ist, scheint ihre Lage Ähnlichkeiten zu der Situation der jüdischen Bevölkerung aufzuweisen. Nach Transnistrien wurden die Juden aus Bessarabien, der Bukowina und dem Kreis Dorohoi deportiert; die übrigen rumänischen Juden wurden - mit einigen Ausnahmen - nicht deportiert. Es bestand jedoch zur Zeit des Zweiten Weltkrieges eine Politik des rumänischen Staates, die alle Juden in ihrem Blickfeld hatte. Die antisemitische Gesetzgebung, die Rassenverordnungen und der Rumänisierungsprozess haben, in unterschiedlichem Ausmaß, alle Teile der jüdischen Bevölkerung betroffen. In den Jahren 1940 - 1944 wurde die jüdische Bevölkerung in ihrer Gesamtheit einer harten Diskriminierung unterzogen. Anders verhielt es sich in Bezug auf die Roma. In diesen Jahren wurde in Rumänien keine Maßnahme ergriffen, die auf alle Roma im Land abzielte, d. h. auf all diejenigen Personen, die bei den Volkszählungen als Roma galten und von den Behörden oder der örtlichen Bevölkerung dazu gestempelt wurden.

Die Deportation der Roma fand in der rumänischen Bevölkerung keine Unterstützung und es hagelte Proteste in allen Medien. Eine Reihe von Protesten kam von Seiten der politischen und kulturellen Eliten, einschließlich von C. I. C. Brătianu, dem Chef der Nationalen Liberalen Partei, sowie einiger Führer der Nationalen Bauernpartei und dem Komponisten George Enescu. Aus der Befürchtung, dass die Deportationen auch auf andere Roma-Kategorien ausgeweitet werden, intervenierten gleichfalls die Führungen einiger Unternehmen, wie zum Beispiel die Leitung der Rumänischen Eisenbahnen, zu Gunsten der Roma in den Reihen ihrer Belegschaften. Die Mehrzahl der Dokumente deutet auf eine Opposition der Bevölkerung aus allen sozialen Schichten gegenüber den Deportationen der Roma hin, während nur sehr wenige Dokumente diese gutheißen. Die Proteste wurden üblicherweise als Briefe oder Memoranden formuliert, die von Privatpersonen oder Verbänden an öffentliche Würdenträger adressiert waren; dazu zählten das Präsidium des Ministerrates, Ion Antonescu persönlich, die Königinmutter, der Minister des Inneren und der Generalstabschef. Diese Bemühungen zielten entweder darauf ab, die Deportationen aus bestimmten Dörfern oder Städten zu stoppen, oder aber, die Rückkehr der Deportierten in ihre Häuser zu ermöglichen. Die Mehrzahl der Proteste wurde im Herbst 1942 geschrieben, nach der Deportation der "gefährlichen" sesshaften Roma. Diese Einwände gegen die Deportationen der Roma, bezogen sich jedoch nie auf die umherziehenden Roma, deren Deportationen scheinbar einer rumänischen Mehrheit gerechtfertigt erschien.

Mitte 1944 verschwand das "Zigeunerproblem" von der öffentlichen Agenda. In den späteren Kriegsverbrecherprozessen erhielt das Schicksal der Roma eine gewisse öffentliche Aufmerksamkeit, selbst wenn das Thema immer noch ein Randproblem geblieben ist. Bei dem ersten Kriegsverbrecherprozess in 1945 bezog sich nur eine einzige Anklageschrift auf die Deportationen der Roma und selbst dort konzentrierten sich die Anklagepunkte auf die Beschlagnahme der Fuhrwerke und der Pferde. Das gleiche geschah, als Ion Antonescu und seine Hauptmittäter 1946 vor Gericht gestellt wurden. Obwohl eine förmliche Anklage gegen Antonescu wegen der Deportationen der Roma vorgetragen wurde, hielt sich der Ankläger nicht mit den Details auf. Daher wurde während des Antonescu-Prozesses die Lage der Roma nur an vier Stellen erwähnt: in der Anklageschrift, der förmlichen Verlesung der Anklagepunkte und in den Einlassungen von Antonescu und des Generals Vasiliu. Die Anklageschrift erwähnt 26.000 deportierte Roma, während von General Vasiliu eine Zahl von nur 24.000 bestätigt wurde.

Die Rolle von Ion Antonescu bei der Planung und Durchführung der antisemitischen und romafeindlichen Politik des rumänischen Staates

Die Verantwortung von Ion Antonescu an dem Tod der Juden aus Bessarabien, der Bukowina und Transnistrien ist unbestritten. Und dennoch verdanken die Juden aus der Walachei, der Moldau-Region und Südtranssilvanien ihr Überleben seiner Entscheidung vom Herbst 1942, die Deportationen der rumänischen Juden nach Polen auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Gleichwohl wurde General Ion Antonescu von dem Hass gegen die Juden und das Judentum beherrscht. Für Ion Antonescu war "der Jude" der Volksfeind Nr. 1. Am 6. September 1941 schrieb er in einem Brief an Mihai Antonescu: "Alle müssen begreifen, dass es hier nicht um einen Kampf gegen die Slawen, sondern gegen die Juden geht. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod. Entweder werden wir siegreich sein und die Menschheit davon säubern, oder sie werden uns besiegen und versklaven. [...] Der Krieg im Allgemeinen und der Kampf um Odessa im Besonderen haben den Beweis dafür erbracht, dass Satan und 'der Jude' identisch sind."

Ion Antonescu war an den wesentlichen Unterdrückungsmaßnahmen seines Regimes gegen die Juden direkt beteiligt. Anders als im Fall von Hitler, liegen bei Antonescu zahlreiche Beweise vor, die seine unmittelbare Beteiligung daran belegen. Beispielsweise veranlassten Oberst Gheorghe Petrescu vom Generalstab und der Gendarmeriegeneral Ion Topor die Deportation der Juden aus der Bukowina auf die persönliche Anordnung von Antonescu. Petrescu erklärte dazu in 1945, dass der entsprechende Befehl durch Radu Dinulescu von der Abteilung II a des Generalstabes übermittelt wurde; dieser Befehl - Nr. 6651 vom 4. Oktober 1941 - enthielt auch den Entschluss von Marschall Antonescu, alle Juden aus der Bukowina und Transnistrien binnen zehn Tagen zu deportieren. Ion Antonescu erklärte am 6. Oktober 1941 anlässlich einer Ministerratssitzung: "Ich habe Maßnahmen getroffen, sie [die Juden] endgültig und vollständig aus diesen Gebieten zu entfernen. In Bessarabien habe ich noch ungefähr 10.000 Juden, die in einigen Tagen über den Dnister getrieben werden ..." Am 14. November, in einer weiteren Ministerratssitzung, erklärte Antonescu: "Ich habe genügend Probleme mit diesen Saujuden, die ich über den Bug geführt habe. Nur ich weiß, wie viele davon unterwegs gestorben sind." Antonescu versäumte es nicht, sich von der Strenge der Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Juden persönlich zu überzeugen. Während er sich am 13. November 1941 von Alexianu über die antijüdischen Aktionen von Odessa berichten ließ, wiederholte Antonescu beispielsweise seine bereits erteilten Befehle: "Ich habe angeordnet, je 200 Juden für jeden getöteten und je 100 Juden für jeden verwundeten Rumänen zu erschießen."

Enttäuscht von dem langsamen Tempo, mit dem das "Judenproblem" gelöst wurde und unter dem Eindruck, dass selbst Nazi-Deutschland nur schwerfällig agierte, forderte Antonescu von seinen Untergebenen, die rumänischen Bemühungen zu verstärken: "Werft sie in Katakomben, treibt sie ins Schwarze Meer, wie auch immer, aber entfernt sie aus Odessa. Es ist mir egal. Es können von mir aus Hunderte, Tausende oder auch alle sterben." Infolge dieses Befehls wurden die überlebenden Juden aus Odessa nach Berezovca und Golta deportiert.

Aus der Sicht von Antonescu war Deutschland von jeher der natürliche Verbündete von Rumänien, während der "Londoner Saujude" und die "Engländer, Amerikaner und Juden, die auch nach dem letzten Krieg den Frieden diktiert haben" die äußeren Feinde Rumäniens waren. Im Inneren waren die "Kommunisten, Saujuden, Ungarn und Siebenbürger Sachsen" die Feinde, die die ersten Anzeichen abwarteten, "um die Anarchie über das Land zu bringen ... und zum letzten entscheidenden Schlag gegen unsere Nation auszuholen." Das Verhalten von Antonescu gegenüber den Juden war abwechselnd mal von gewalttätigem Hass, mal von vermeintlich väterlicher Großzügigkeit gekennzeichnet. Im Herbst 1941 behauptete er beispielsweise gegenüber dem Ministerrat, dass er "darum kämpft, Bessarabien und die Bukowina von Juden und Slawen zu säubern."

Ion Antonescu war sich über die von der SS in Transnistrien begangenen Massenmorde bewusst. Mehr noch, er war bis ins letzte Detail für die Verfolgungsmaßnahmen gegen die Juden verantwortlich bzw. maßgeblich daran beteiligt. Der rumänische Diktator wies die Rumänische Nationalbank an, das Geld und die Schmuckgegenstände der zur Deportation bestimmten Juden "einzutauschen", mit anderen Worten, zu konfiszieren. Er war derjenige, der im April 1942 einen Befehl (462/CBBT) unterzeichnete, der die Deportation der letzten 425 noch in Bessarabien verbliebenen Juden nach Transnistrien anordnete. Es war auch seine Entscheidung, eine zweite Deportationswelle der Juden aus der Bukowina zu veranlassen; dies wurde offiziell am 28. Mai 1942 verabschiedet. Die Dokumente aus dem Kriegskabinett von Ion Antonescu beweisen, dass er im Verlauf des Jahres 1943 von seinen hohen Verwaltungsbeamten konsequent über das Schicksal der nach Transnistrien deportierten Juden und Roma informiert wurde.

Im Herbst 1942 fasste Ion Antonescu den entscheidenden Entschluss, die Umsetzung der rumänisch-deutschen Planung, alle Juden aus dem Altreich und Südtranssilvanien nach Belzec zu deportieren, auszusetzen. Diese geplante Deportation wurde dann nie mehr ausgeführt; dadurch haben mindestens 292.000 rumänische Juden den Krieg überlebt.

Antonescu entschied ebenfalls über Leben oder Tod der rumänischen Juden, die sich im besetzten Europa, unter deutscher Herrschaft, aufhielten. Bereits im November 1941 unterrichtete von Killinger das Auswärtige Amt, dass Antonescu der Absicht des Reichs zugestimmt hatte, die unter deutscher Hoheit stehenden rumänischen Juden zusammen mit den deutschen Juden in die Ghettos im Osten zu deportieren, "denn die rumänische Regierung hat keinerlei Interesse an der Rückholung der rumänischen Juden nach Rumänien." Als unmittelbare Konsequenz dieser Entscheidung sind 1.600 rumänische Juden aus Deutschland und Österreich, 3.000 aus Frankreich und eine unbekannte Zahl aus Polen, Böhmen und Mähren sowie Holland in den deutschen Konzentrationslagern zu Grunde gegangen. Im Frühjahr 1943 hat die rumänische Regierung diese Entscheidung revidiert und ca. 4.000 rumänische Juden, die sich in Frankreich aufhielten, überlebten den Krieg. Ion Antonescu stimmte sogar der Repatriierung einiger dieser Juden zu.

Während seines Prozesses bekannte sich Marschall Antonescu zu seiner Verantwortung für die angeblich fehlerhafte Art und Weise, wie seine Befehle von seinen Untergebenen interpretiert worden seien, jedoch nicht für die eigentlichen Verbrechen und Raubzüge, die manche von ihnen begangen hatten. Ion Antonescu gab zwar zu, dass sich unter rumänischer Hoheit "blutige Unterdrückungsmaßnahmen" während des Krieges ereignet hätten, bestritt aber wider besseren Wissens, dass unter seiner Befehlsgewalt auch Massaker stattgefunden haben: "Wir haben viele repressive Gesetze erlassen, aber keinen einzigen Juden hingerichtet... Unterdrückungsmaßnahmen habe ich angeordnet, Massaker jedoch nicht." Ion Antonescu räumte nach dem Krieg ein, dass es im Jahr 1942 ebenfalls seine ursprüngliche Entscheidung gewesen sei, die Roma zu deportieren.

Antonescu, ein überzeugter und brutaler Antisemit, glaubte zu Beginn des Krieges, das "jüdische Problem" und die Schwierigkeiten mit den übrigen Minderheiten, insbesondere mit der ukrainischen, ein für alle Mal lösen zu können. Aber ein Vergleich zwischen Antonescu und Hitler, die sich gegenseitig verehrten, setzt Antonescu in ein anderes Licht. Bis September 1941 gewährte Antonescu Filderman, dem Leiter der Jüdischen Gemeinde, Audienzen, etwas was in Deutschland undenkbar gewesen wäre; Hitler hätte nie - direkt oder indirekt - einen Dialog mit dem Leiter der Jüdischen Gemeinde in Deutschland geführt. Ende 1942, in engem Zusammenhang mit den Veränderungen an der Ostfront, tolerierte Antonescu nicht nur, sondern förderte sogar eine Kontaktanbahnung zu den Alliierten. Diese, auf Vermittlung neutraler Staaten - in Lissabon, Stockholm, Ankara und Kairo - geknüpften Kontakte legen den Schluss nahe, dass man zu einer realistischeren Einschätzung der Chancen auf einen Kriegserfolg gelangen wollte. Nach 1942 bildete sich Antonescu - wie viele andere rumänische Politiker - ein, die Juden als Tauschobjekt gegen ein verbessertes Bild Rumäniens in den Vereinigten Staaten und England verwenden zu können.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Verschiebung der Entscheidung zur Deportation der Juden aus Südtranssilvanien, der Moldau-Region und der Großen Walachei in die Nazilager im besetzten Polen, rein opportunistischer Natur war. Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben die verschiedenen Interventionen - darunter diejenigen des Metropoliten Bălan, der königlichen Familie und des diplomatischen Korps - eine wichtige Rolle bei dieser Entscheidung gespielt. Jedenfalls widmete Antonescu, nach Stalingrad, dem Auslandsbild von Rumänien eine verstärkte Aufmerksamkeit. Die Berichte des rumänischen Außenhandelsministeriums, dass die rumänischen Juden im deutschen Herrschaftsbereich mehr noch als die ungarischen Juden zu leiden hatten, erregte bei Antonescu Irritationen.

Obwohl zwischen den Legionären und Ion Antonescu viele Gemeinsamkeiten bestanden, war er auf wirtschaftlichem Gebiet keineswegs ein Abenteurer. In politischer Hinsicht ordnete er sich selbst zwischen Goga und Codreanu ein. Er nährte die Zwangsvorstellung von einem minderheitenfreien Rumänien, denn die ethnischen Minderheiten gefährdeten angeblich den rumänischen Staat, und zwar hauptsächlich in den Gebieten, die Rumänien nach dem Ersten Weltkrieg zugefallen waren. Der Antisemitismus von Antonescu bestand in wirtschaftlicher, politischer, sozialer und gelegentlich religiöser Hinsicht; ihm fehlten jedoch die mystischen Akzente des Antisemitismus der Legionäre. Sein Hass war nicht derjenige eines brutalen Schlägers, sondern der eines Bürokraten, der das "Problem" auf systematische Weise und per Gesetz lösen wollte.

Ion Antonescu war nicht nur für die Vernichtung der Juden und Roma verantwortlich, sondern fügte dem rumänischen Volk weitere tragische Verluste während des Zweiten Weltkriegs zu. Zugehörig zu den Achsenmächten und treuer Verbündeter an der Seite Nazi-Deutschlands, arbeitete Rumänien mit den Deutschen in militärischer Hinsicht eng zusammen. Im Juni 1941 übertrug Hitler dem Kommandeur der deutschen 11. Armee, Eugen von Schobert, die Aufgabe, die Südostflanke der Ostfront zu übernehmen. Ungeachtet der Befehlsgewalt von Eugen von Schobert, erkannte Hitler die Rolle von Antonescu an und bevollmächtigte diesen, alle Befehle von Eugen von Schobert gegenzuzeichnen.

Selbst wenn sein Krieg im Osten oft als Versuch gewertet wurde, Bessarabien und die Nordbukowina zurückzuerobern oder Hitler zu veranlassen, Nordtranssilvanien an Rumänien zurückzugeben, strebte Antonescu nach Höherem. Er fühlte sich in nichts Hitler und Mussolini unterlegen und gab sich Träumen von einem Dakischen Imperium vom Balkan bis zum Dnepr hin. Mehr noch, seine Teilhabe an der Militärplanung der Achsenmächte beschränkte sich nicht nur auf den Angriff gegen die Sowjetunion. Ion Antonescu erklärte den Vereinigten Staaten am 16. Dezember 1941 den Krieg. Rumänien befand sich ebenfalls mit Großbritannien im Kriegszustand. Darüber hinaus gestattete er den deutschen Divisionen Rumänien bei ihrem Vormarsch gegen Griechenland zu durchqueren und das rumänische Territorium als Ausgangsbasis für den Angriff gegen Jugoslawien zu nutzen.

Wie Antonescu selber schriftlich erklärte, befand er sich im Krieg mit den Juden. Durch die systematischen Deportationen der jüdischen Bevölkerung aus Rumänien und der besetzten Ukraine, wurden er und seine Helfer zu den Autoren für ein unermessliches Leid. Sie sind für Hunderttausende unschuldige Opfer und die Ermordung von mindestens einer Viertelmillion Menschen verantwortlich zu machen. So hat er zwischen 1941 und 1944 nicht nur einen Krieg gegen einen angestammten militärischen Feind ausgelöst, sondern auch Zivilisten ins Fadenkreuz genommen, und zwar mit einer Reihe von Verfolgungsmaßnahmen, die innerhalb einer Bandbreite von Raub bis Mord alles enthielten. Ion Antonescu und seine Komplizen sind jedoch nicht allein für diese Tragödie verantwortlich zu machen. Abgesehen von dem Naziregime, hat "ein Teil der schwachen und egoistischen politischen Klasse in Rumänien [ebenfalls] zu seiner Machtergreifung beigetragen", wie ein zeitgenössischer rumänischer Historiker bemerkt.

Nationalistische und extremistische Kreise im heutigen Rumänien versuchen, Antonescu zu rehabilitieren und ihm einen Ehrenplatz als großem Patrioten in der rumänischen Geschichte zuzuweisen. Die Tatsache, dass er sein Land geliebt hat, ist irrelevant. Antonescu war ein Kriegsverbrecher im reinen Wortsinn. Unter seiner Führung war die rumänische Regierung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt, völlig unabhängig davon, dass es in der bewegten Geschichte Rumäniens sowohl glorreiche als auch grausame Phasen gibt. Schlimmer noch, der Krieg dieses "Führers" gegen eine unschuldige und schutzlose Bevölkerung war nur ein Aspekt seiner umfassenden Wahnvorstellung, nämlich das Land aus einem illusionären Gewinnstreben heraus in einen Konflikt zu führen, der letztendlich nur verheerende Konsequenzen nach sich zog.

Der Holocaust in Nordtranssilvanien

Die Bestimmungen des Wiener Schiedsspruches vom 30. August 1940 sahen vor, dass Transsilvanien, welches zu diesem Zeitpunkt noch zu Großrumänien gehörte, geteilt wurde. Der nördliche Teil des Gebietes, der unter dem Namen Nordtranssilvanien bekannt war, wurde Ungarn zugesprochen. Dieser von Ungarn im September 1940 annektierte Teil hatte eine Fläche von 43.591 Quadratkilometern und eine Gesamtbevölkerung von ungefähr 2,5 Millionen Einwohnern. Von den ca. 200.000 Juden in Transsilvanien lebten ungefähr 164.000 in den elf an Ungarn abgetretenen Kreisen. Diese Juden waren in ihrer großen Mehrzahl streng orthodox, viele davon bekannten sich zum Chassidismus.

Nach der offiziellen Annexion von Nordtranssilvanien, wurden die Juden der in Ungarn bereits bestehenden antijüdischen Gesetzgebung unterworfen. Diese Gesetze berührten nicht nur ihre Existenzgrundlage und trieben die sehr viele von ihnen in die Armut, sondern beraubten sie auch der meisten elementaren Rechte und bürgerlichen Freiheiten. Diese Maßnahmen betrafen insbesondere die jüdischen Männer im wehrfähigen Alter, die zur Zwangsarbeit rekrutiert wurden. Nachdem Ungarn am 27. Juni 1941 der Sowjetunion den Krieg erklärt hatte, wurden viele dieser Einheiten entlang der Frontlinien zur Ukraine in Stellung gebracht, wo Tausende Zwangsarbeiter massakriert wurden oder an Hunger und Krankheiten verstarben. Ein ähnliches Schicksal traf auch viele andere Einheiten, die Zwangsarbeit in Serbien und anderen Gebieten verrichteten. Eine unbekannte Zahl von Juden, die ihre Staatsbürgerschaft gegenüber den Behörden nicht in befriedigender Weise nachweisen konnten, wurde kolonnenweise in den von Deutschland besetzten Teil der Sowjetunion verbracht. Dort, in der Nähe von Kamenez-Podolsk, zählten sie zu den - Ende August 1941 - ermordeten 18.000 Juden.

Die Lage der Juden in Nordtranssilvanien, wie auch aller übrigen ungarischen Juden, verschlechterte sich weiter nach der Besetzung Ungarns durch Deutschland am 19. März 1944. Die Besetzung, die hauptsächlich dem Ziel diente, Ungarn an einem Rückzug aus dem Bündnis der Achsenmächte zu hindern, bot den Nazis und ihren ungarischen Komplizen die Gelegenheit, die ungarischen Juden der Endlösung zu unterziehen.

Verschiedene ideologisch bestimmte strategische und militärische Motive und nicht zuletzt das schnelle Vorrücken der Roten Armee, veranlassten die Henker zu der blitzartigen Durchführung der Endlösung. Dem von Adolf Eichmann geleiteten Nazi-Kommando standen nicht viele Kräfte zur Verfügung. Dennoch konnte es die verbrecherischen Ziele erreichen, hauptsächlich dank der enthusiastischen Unterstützung von Seiten der neuen ungarischen Regierung. Unter der Staatsführung von Miklós Horthy stellte die verfassungsmäßig ernannte Regierung Döme Sztójay das Instrumentarium der Staatsgewalt – Gendarmerie, Polizei und öffentliche Verwaltung – in den Dienst der Nazis und ihrer ungarischen Komplizen.

Die Endlösung in Ungarn wurde in zwei verschiedenen Etappen durchgeführt. In der ersten Phase, die von Ende März bis zum 15. Mai andauerte, wurden die Juden isoliert, gekennzeichnet, enteignet und in Ghettos zusammengepfercht. Bei den Zerstörungsmaßnahmen ging man geografisch vor, wobei die bestehenden zehn ungarischen Gendarmeriebezirke berücksichtigt wurden. Das Territorium Nordtranssilvaniens, mit Ausnahme des Kreises Maramureș, umfasste die Gendarmeriebezirke IX und X; der Kreis Maramureș gehörte zu dem Gendarmeriebezirk VIII. Die zehn Gendarmeriebezirke waren ihrerseits in sechs antijüdische Operationszonen unterteilt. Der Gendarmeriebezirk VIII mit der höchsten Dichte an jüdischer Bevölkerung, einschließlich Karpatoruthenien, dem Nordosten Ungarns und dem Kreis Maramureș, bildete die Zone I; die zwei Gendarmeriebezirke in Nordtranssilvanien ergaben die Zone II. Da die Zonen I und II im östlichen Teil des Landes lagen, in dem die meisten Juden lebten, beschlossen die Henker, mit der antijüdischen Politik genau dort zu beginnen. Zu diesem Zweck wurden zwei Maßnahmen – rückwirkend – beschlossen. Die Gebiete wurden zu militärischen Operationszonen erklärt und es wurde am 16. April 1944 damit begonnen, die Juden der Zone I zu Kolonnen zusammenzufassen.

Die Juden, welche in der Zone II, d. h. in Nordtranssilvanien lebten, wurden ab dem 3. Mai ebenfalls zu Kolonnen zusammengefasst. Die zivilen und militärischen Machthaber auf Kreis- und Ortsebene leisteten hierbei aktive Unterstützung. Die Juden aus den Dörfern und kleineren Städten wurden zunächst in die örtlichen Synagogen oder Gemeindehäuser verbracht, anschließend in größere Ghetto-Zentren überführt, die meisten davon in aller Eile in den Kreishauptstädten eingerichtet. Die größten derartigen Zentren befanden sich in Oradea, Satu Mare, Sighetul Marmației und Cluj. Einige dieser Ghetto-Zentren befanden sich in den jüdischen Vierteln der jeweiligen Städte, andere in Ziegeleien und wieder andere unter freiem Himmel. Während die Juden umgesiedelt und in Kolonnen zusammengetrieben wurden, wurden sie vielfach misshandelt und ihrer Habe beraubt.

Die zweite Phase der Endlösung begann am 15. Mai und endete am 9. Juli 1944 mit der Deportation von nahezu 438.000 Juden nach Auschwitz. Danach war ganz Ungarn – bemerkenswerterweise mit Ausnahme von Budapest – "judenrein". Darunter befanden sich ca. 132.000 Juden, welche in 45 Güterzügen aus den Internierungszentren in Nordtranssilvanien deportiert wurden. Es existieren keine Daten über die Anzahl der Überlebenden, die Schätzungen gehen von 9% bis 11% aus. Infolge des Holocausts sind die jüdischen Gemeinden in den Dörfern und Kleinstädten Nordtranssilvaniens völlig ausgelöscht worden. Eine untergeordnete Zahl von Juden setzte ihr Leben in einigen größeren Städten fort.

Die Mehrzahl derjenigen, die an den antijüdischen Operationen beteiligt waren, floh zusammen mit den im Rückzug befindlichen Armeen Deutschlands und Ungarns. Eine beträchtliche Anzahl an örtlichen Zivil- und Militärfunktionären wurde gefasst und 1946 vor einen Volksgerichtshof in Cluj gestellt. Die Mehrzahl der 185 in diesem Prozess der Kriegsverbrechen bezichtigten Angeklagten wurden in Abwesenheit verurteilt. Dazu zählten hochrangige zivile und militärische Funktionsträger, die an der Endlösung beteiligt waren. Obwohl die Urteile sehr hart waren – viele, vor allem die in Abwesenheit Verurteilten, erhielten die Todesstrafe oder wurden zu lebenslanger Haft verurteilt – wurde keiner von ihnen hingerichtet und kein einziger verbrachte mehr als einige Jahre in Haft. Die Mehrzahl derjenigen, die geflohen sind, haben im Westen Unterschlupf gefunden, wo sie als Helden des antikommunistischen Kampfes verehrt wurden. Die in Rumänien Inhaftierten wurden Anfang der 1950er Jahre amnestiert, da man sie als "umerzogen und völlig rehabilitiert" betrachtete, und sie gleichzeitig ermutigte, sich dem Aufbau des Kommunismus anzuschließen.

Solidarität und Rettung

Trotz der antisemitischen Propaganda während der Kriegszeit, erreichte es das Antonescu-Regime nicht, die rumänische Gesellschaft zu fanatisieren. Dafür aber führte diese Propaganda zu einer bestimmten Neutralisierung in der öffentlichen Wahrnehmung, einer gewissen Gleichgültigkeit der Bevölkerungsmehrheit gegenüber dem Leiden der Juden. Dem Mitgefühl und dem Protest auf der einen Seite, stand die stillschweigende Tolerierung der Massaker und sogar die aktive Beteiligung an der antisemitischen Politik gegenüber.

Dennoch beweist die Auseinandersetzung mit dem intellektuellen Leben in Rumänien in der Zwischenkriegszeit, dass Rumänien eine wahrhaft demokratische Tradition hatte. Viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wie zum Beispiel demokratische Intellektuelle, gleichgültig ob linksorientiert oder nicht, Schriftsteller und selbst einige Politiker widersetzten sich dem Antisemitismus der 30er Jahre. Trotz der Kompetenz und des Einflusses dieser Persönlichkeiten in dem intellektuellen Diskurs zu Beginn der 30er Jahre, verloren sie zunehmend an Bedeutung nach den Jahren 1935 und 1937. Die Abschaffung der demokratischen Presse brachte sie wirkungsvoll zum Schweigen. Zu dem Zeitpunkt, als die Juden aus den Berufsverbänden ausgeschlossen wurden und im Dezember 1937 die antisemitische Gesetzgebung der Regierung Goga verabschiedet und angewendet wurde, waren ihre Stimmen praktisch verstummt. Weiterhin gab es zahlreiche Intellektuelle, die eine antisemitische Attitüde annahmen, weil sie in den einflussreichsten Repräsentanten des rumänischen Nationalismus - der Gegenwart und Vergangenheit - Identifikationsfiguren sahen. Hinzu kam, dass die Ereignisse aus dem Jahr 1940 - der Verlust von Bessarabien und der Nordbukowina an die Sowjets und Nordtranssilvaniens an Ungarn - dazu führten, dass die Diskriminierung der Juden zu einem nachgeordneten Problem für die Intellektuellen sowie für die Medien wurde.

Die öffentliche Meinung "regte" sich erst dann, als - in Übereinstimmung mit den rumänisch-nazideutschen Vereinbarungen aus dem Sommer 1942 - die Deportationen der Juden aus dem Altreich spürbar wurden. Intellektuelle aus Bukarest protestierten persönlich gegen die Umsetzung dieses Plans. Beginnend mit dem Herbst des Jahres 1942, stieß die geplante Deportation der Juden aus dem Altreich auf den Widerstand einiger Oppositionspolitiker aus den Reihen der wichtigsten rumänischen Parteien. Vermutlich leistete auch die Rumänisch-Orthodoxe Kirche Widerstand, - hier ist insbesondere Nicolae Bălan, der Metropolit von Transsilvanien zu nennen - obwohl die Leitung der Rumänisch-Orthodoxen Kirche der Jüdischen Gemeinde von jeher feindlich gegenüberstand. Die Vertreter des Rumänischen Königshauses unternahmen ähnliche Bemühungen; die Appelle der Königinmutter Elena sind in dieser Hinsicht bemerkenswert. Beispielhaft sei hier die Kritik von Prinz Barbu Știrbei und der ehemaligen Parlamentarier der Nationalen Bauernpartei, Nicușor Graur und Ioan Hudiță, an der Rassendiskriminierung und den Deportationen erwähnt. Nachdem der Krieg seinen Höhepunkt überschritten hatte, verstärkten sich die Bemühungen bestimmter rumänischer Diplomaten, die in verschiedenen von Deutschen besetzten europäischen Staaten residierten, einige jüdischstämmige rumänische Staatsbürger zu retten.

Dokumentierte Rettungsaktionen gibt es in Bezug auf die Pogrome von Bukarest und Iași. Von überragender Bedeutung waren die Aktionen des Apothekers D. Berceanu aus Iași und von Viorica Agarici, der Präsidentin des Rumänischen Roten Kreuzes, welche die erste Hilfe für die Überlebenden aus den grauenhaften Todeszügen eingeleitet und organisiert hatte. Ebenfalls beispielhaft sind die Bemühungen von Grigore Profir, dem Verwalter einer Mühle, der während des Massakers von Iași, ungeachtet der Todesdrohungen der deutschen Soldaten und rumänischen Gendarmen, standhaft blieb und damit Dutzende Juden aus Iași rettete.

Im Unterschied zu den unter der Kontrolle der Nazis befindlichen Gebieten, wo die Massaker systematisch abliefen und die ideologische Vorbereitung der Täter eine konsequente und erbarmungslose Anwendung der Endlösung garantierte, bestand in den rumänisch kontrollierten Gebieten, insbesondere in Bessarabien und der Bukowina, ein Zustand allgemeiner Unordnung. Nicht selten konnten die örtlichen Befehlshaber freihändig zwischen Folterungen und bestialischen Morden oder Mitgefühl und Lebensrettung entscheiden. Widersprüchliche Befehle führten zu einer allgemeinen Konfusion und erhöhten den Ermessensspielraum dieser Befehlshaber, was wiederum zu völlig widersprüchlichen Konsequenzen führte. Die eigenwillige Gemütsverfassung eines sadistischen Offiziers oder seiner Unteroffiziere und Soldaten konnte katastrophale Folgen für Tausende von Juden, die sich in ihrer Gewalt befanden, nach sich ziehen; manchmal jedoch, in seltenen Fällen, konnte das aber auch die Rettung einiger Juden bedeuten, und zwar sogar durch die Lagerkommandanten selbst. Beispielsweise rettete Sabin Motora, Kommandant des Lagers Vapniarka in Transnistrien, eigenhändig zig Juden und bewies damit großen Mut und Menschlichkeit. Eine weitere Form des Protestes bestand darin, seinen Dienst zu quittieren und sich damit gegen die inhumanen Lebensbedingungen in den Lagern und die Fortsetzung der Greueltaten zu stellen. Der erste Kommandant des Lagers von Vertujeni, Oberst Alexandru Constantinescu, trat mit Hinweis auf die Lage der ihm unterstellten Häftlinge zurück.

Unter diesen Umständen ist jedoch die Anzahl der "Gerechten unter den Völkern" unter den Rumänen relativ gering. Dennoch muss festgehalten werden, dass in Rumänien, wie auch in anderen Ländern, eine weit höhere Personenzahl vorhanden war, die den von Yad Vashem festgelegten Kriterien entsprach, um als "Gerechter unter den Völkern" zu gelten. Die von Yad Vashem anerkannten Retter kamen aus allen Altersstufen und hatten einen sehr unterschiedlichen soziokulturellen Hintergrund: Bauern, Arbeiter, Apotheker, Rechtsanwälte, Professoren, Armeeoffiziere, Gendarmen und Diplomaten. Kürzlich wurde dieser Titel dem orthodoxen Priester Petre Gheorghe zuerkannt, der deportierten Juden in Transnistrien geholfen hatte. Obwohl Überlebende von den Bemühungen vieler anderer Priester berichteten, wurde über die Vergabe des Titels "Gerechter unter den Völkern" noch nicht abschließend entschieden. Die Königinmutter Elena hat mit ihrer unerschütterlichen moralischen Überzeugung stets die geplante Deportation der Juden verurteilt und daher diesen Titel erhalten.

Die Mehrzahl der Retter (28) stammten aus Nordtranssilvanien; darunter befanden sich 12 Ungarn. Die Zunahme der Rettungsbemühungen in dieser Region kann mit der Verbesserung der Situation der rumänischen Juden gegen Ende des Krieges erklärt werden, während im Gegenzug die Lage der Juden in Nordtranssilvanien immer verzweifelter wurde. Gleichzeitig mit der Wende der Politik des Antonescu-Regimes gegenüber den Juden, wurde Rumänien zum Rückzugsgebiet für jene Juden aus Nordtranssilvanien und Ungarn, denen es gelang, die Grenze nach Rumänien zu passieren.

Unter den rumänischen "Gerechten unter den Völkern" nimmt der Bürgermeister von Czernowitz, Dr. Traian Popovici (1892 - 1946) eine einzigartige Stellung ein. Popovici widersetzte sich den Anordnungen von Antonescu und lehnte es standhaft ab, die Juden von Czernowitz ins Ghetto zu verbringen und sie anschließend zu deportieren; damit rettete er Tausende Juden vor Deportation und Tod. Popovici, für den Passivität Mittäterschaft an einem ungeheuerlichen Verbrechen bedeutete, zog es vielmehr vor, aus moralischem Pflichtbewusstsein zu handeln.

Die Kriegsverbrecherprozesse

Die Prozesse gegen die Verantwortlichen des Antonescu-Regimes fanden im Mai 1946 statt und endeten mit der Hinrichtung von Ion und Mihai Antonescu, zusammen mit zwei ihrer engsten Mitarbeiter sowie mit der Verhängung von lebenslangen bzw. langjährigen Haftstrafen. Im Grunde genommen, war das aber schon Anfang und Ende der größeren Prozesse im Nachkriegsrumänien, die ihren Ursprung in dem Moskauer Waffenstillstandsabkommen vom 12. September 1944 und den daraus resultierenden Verpflichtungen der rumänischen Regierung hatten. Darin verpflichtete sich Rumänien, die Kriegsverbrecher zu verhaften und sie vor Gericht zu stellen sowie nazistische und faschistische Organisationen aufzulösen und deren Wiedererscheinen zu verhindern.

Nach dem Staatsstreich vom August 1944, mit dem Ion Antonescu von der Macht entfernt wurde, begab sich das rumänische politische System auf seinen Weg zur "Demokratie", der - wie sich dann schon bald herausstellte - nur einen Riesenschritt in Richtung des Sowjetsystems und der Machtübernahme durch ein kommunistisches Regime bedeutete. Die erste klare Definition der Kriegsverbrechen erfolgte am 20. Januar 1945. Als Kriegsverbrecher galten demnach diejenigen, die Kriegsgefangene im Widerspruch zu dem internationalen Recht behandelt hatten, Grausamkeiten und Hinrichtungen im Kriegsgebiet befohlen oder durchgeführt hatten, die Errichtung von Ghettos oder Zwangsarbeits- und Konzentrationslagern befohlen oder veranlasst hatten, Deportationen aus rassistischen oder politischen Motiven organisiert hatten und/oder kollektive oder einzelne Unterdrückungs- bzw. Zwangsarbeitsmaßnahmen gegen Personen durchgeführt hatten, mit dem Ziel, diese zu vernichten.

Gleichzeitig mit der Regierungsübernahme durch Groza im März 1945, als Ergebnis der Machtübernahme durch die Kommunisten, nahmen die staatlichen Maßnahmen in Rumänien zu, und damit auch der Rhythmus der Aburteilung der verschiedenen Kriegsverbrecherkategorien. Im Fokus dieser Prozesse standen diejenigen, die für Verbrechen in den von Rumänien besetzten sowjetischen Gebieten verantwortlich zeichneten, was daraus hervorgeht, dass hinter zahlreichen Gerichtsverfahren in einem gewissen Umfang sowjetische Berater standen. Die Verarbeitung der jüdischen Aspekte kann als Abfallprodukt dieser Verfahren gewertet werden.

Im Mai 1946, zu Beginn des Prozesses gegen Antonescu, gab es in Rumänien noch eine demokratische und freie, wenn auch von den Kommunisten stark angegriffene Presse, die jedoch kein besonderes Interesse an den gegen die Juden verübten Verbrechen zeigte. Die Kommunisten und die linke Propaganda konzentrierten ihre Angriffe auf das faschistische Regime, nicht etwa für die Aktionen gegen die Juden, sondern weil die Kollaborateure mit den Faschisten ab 1946 als Gegner der "Demokratisierung" in Rumänien galten. Somit waren im Vorwege der Prozesse die politischen und tagesaktuellen Überlegungen häufig wichtiger als die Aburteilung von Tätern, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hatten. Mehr noch, das Bedürfnis des neuen Regimes, einen Teil der - weniger notorischen - Faschisten zu verwenden, wie auch in Ungarn geschehen, erlaubte es den neuen Machthabern, ihre Aufmerksamkeit nur den Spitzen des ehemaligen Regimes zuzuwenden und dadurch einige Verbrecher reinzuwaschen. Obwohl die Beweise - wenn auch zum Teil unvollständig - vorlagen, wie zum Beispiel das Schwarzbuch von Carp, ergoss sich der Hass des gesamten Justizapparates auf die Führer des ehemaligen Regimes, wobei die praktische Umsetzung seiner barbarischen antijüdischen Politik weitgehend außer Acht gelassen wurde.

Die Prozesse gegen vier Gruppen von Angeklagten fanden zwischen dem 14. Mai und dem 14. Juli 1945 statt und schlossen auch diejenigen ein, die die Lager im Gebiet zwischen Dnister und Bug leiteten. Es wurden zahlreiche Beweise hinsichtlich der Greueltaten in den Lagern, dem Pogrom von Iași im Juni 1941 und den Massakern von Odessa im Oktober 1941 vorgelegt. Die dem Gericht vorgelegten Dokumente, aber auch deren Auswahl durch Zensur und Presse, führte dazu, dass das daraus resultierende Gesamtbild offensichtlich nicht umfassend war, denn die Tragödie der Juden erhielt nicht den Stellenwert, der ihr zugestanden hätte.

Die Zusammensetzung des "Volksgerichtshofes" wurde kritisiert und deutete im Vorwege kaum auf ein korrektes Verfahren hin. Die sechs "Volksrichter" hatten in der Tat keinen juristischen Background; dies hätte aber nicht automatisch dazu führen müssen, dass wichtige Fragen, wie die Tragödie der Juden, im Verlauf des Prozesses ausgeblendet wurden. Es war vielmehr das Selbstverständnis dieses Gerichtshofes, der der Anklage den Anschein der Bedeutungslosigkeit gab.

Der große Prozess gegen die Gruppe um Antonescu im Mai 1946 war der 16. Prozess dieser Art. Die vorangegangenen Prozesse, die ab 1945 stattfanden, verliefen in einem Zeitraum, der von einem zunehmenden Machtkampf gekennzeichnet war, hatten aber noch nicht den für Mai 1946 charakteristischen emotionalen Höhepunkt erreicht. Es ist naheliegend, dass das "gesamte Ausmaß des Schreckens ... während des Prozesses nicht vollständig bekannt war", was nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass sich dieser Horror erst unmittelbar vorher abgespielt hatte. Selbst wenn der Holocaust kein besonderes Diskussionsthema war, muss dennoch festgehalten werden, dass die rumänische Spielart der Endlösung lediglich bruchstückhaft und nicht etwa als umfassender Prozess ans Tageslicht kam. Deshalb bot der Antonescu-Prozess, der ursprünglich als "Höhepunkt aller Kriegsverbrecherprozesse" in Rumänien angelegt war, letztendlich doch kein allumfassendes Bild; er diente vielmehr dazu, die Schuld einzig und allein dem Regime zuzuweisen, eine Zielstellung, die dann auch tatsächlich erreicht wurde.

Im Verlauf des Antonescu-Prozesses wurden die Einzelheiten der jüdischen Tragödie nur sehr allgemein behandelt. Gleichzeitig mit der Verantwortungsübernahme durch Antonescu für die unter seinem Regime verübten Verbrechen, wurde all denjenigen, die zuvor - freiwillig - zu den Henkern seines Regimes zählten, ermöglicht, problemlos durch die Türen der neu konstituierten Gesellschaft zu schlüpfen. Danach wurde nur noch eine kleine Zahl von Schuldigen verfolgt und vor Gericht gestellt. Ab 1947 diente der Antonescu-Prozess lediglich als Vorwand für Verhaftungen und politische Prozesse, wie beispielsweise in den Fällen von Maniu, Brătianu, Mihalache und anderen. Diese Prozesse hatten mit dem Schicksal der Juden nichts zu tun, sondern folgten politischen Zwängen. Während der politische Druck in den großen Kriegsverbrecherprozessen klar zum Vorschein kam, erbrachten die Prozesse einiger ehemaliger Faschisten (Journalisten, Intellektuelle, Gendarmerieangehörige) viele Beweise für die Fremdenfeindlichkeit, den Rassismus und Antisemitismus des Antonescu-Regimes und für das Verhalten zahlreicher Militärs und Gendarmen. In diesen Prozessen war es nicht mehr erforderlich, die Spitzen des Antonescu-Regimes auszuschalten, das war bereits vorher geschehen. Die Beweise für das Verhalten von Militär und Gendarmerie warf ein Licht auf das Ausmaß der barbarischen Verbrechen gegen die Juden sowie auf die Kaltblütigkeit der Täter.

Die rumänischen Kriegsverbrecherprozesse geben das wahre Ausmaß des Holocaust in Rumänien nur unvollständig wieder. Verglichen mit anderen Kriegsverbrecherprozessen der Nachkriegszeit, waren die Prozesse in Rumänien kurz und hart, versagten jedoch weitgehend, was die Darstellung der jüdischen Tragödie anbetrifft. Die erste Prozesswelle, welche dem Führungskader während der Kriegszeit galt, verriet eher den politischen Druck, der von den Kommunisten mit Unterstützung der Sowjetunion ausgeübt wurde. Beispielsweise wurde das Schicksal der Juden während des Krieges lediglich in der Anklageschrift gegen Antonescu erwähnt (auf ca. 12 von insgesamt 123 Seiten), was bezeichnend für den Stellenwert des Holocaust während der Prozesse war. Ungeachtet dieser Vorbehalte, müssen dennoch alle Versuche zurückgewiesen werden, die Berechtigung des Prozesses anzuzweifeln, denn hierbei geht es nur um den Versuch, Antonescu und sein Regime zu rehabilitieren und anhand des Materials Verfahrensfehler nachzuweisen und den gesamten Prozess als illegal hinzustellen. Die Nachkriegsprozesse müssen vielmehr als bedeutende Grundlage für die zukünftige Erforschung des Holocaust in Rumänien angesehen werden. Die Mehrzahl der Dokumente, die den Forschern in den vergangenen Jahren zugänglich wurden, geben in erschütternder Weise Auskunft über das Schicksal der rumänischen Juden und derjenigen, die sich unter rumänischer Hoheit befanden. Die seinerzeit den Gerichtshöfen präsentierten Beweise wurden nicht etwa in dem Bestreben vorgelegt, das Ausmaß der Tragödie zu minimalisieren oder das Geschichtsbild zu verfälschen; dennoch lenkten die Prozesse die Aufmerksamkeit von den Methoden, die das Antonescu-Regime zur Lösung der "Judenfrage" anwandte, auf die Kollektivschuld des Regimes, bei der die jüdische Tragödie keine wesentliche Rolle spielte.

Verfälschung, Verleugnung und Minimalisierung des Holocaust im Rumänien der Nachkriegszeit

Ausgehend von der anerkannten Definition des United States Holocaust Memorial Museum, gehört Rumänien zu den Staaten, die während des Zweiten Weltkrieges staatlich organisiert am Völkermord an den Juden und Roma teilgenommen haben. Rumänien zählte zu den Verbündeten und Kollaborateuren Nazideutschlands, die einen systematischen Plan zur Verfolgung und Vernichtung der Juden und Roma in den von ihnen direkt kontrollierten Gebieten hatten.

Mit "Verfälschung" des Holocaust, ist der Versuch gemeint, die historische Wahrheit aus politischen und propagandistischen Gründen zu modifizieren. Obwohl dieser Begriff nicht nur auf die kommunistische Ära beschränkt ist, wird er allgemein für jenen Zeitraum verwendet, in dem sich die Geschichtsschreibung unter politischer Zensur befand.

Von "Verleugnung" sprechen wir, wenn abgestritten wird, daß der Holocaust überhaupt stattgefunden hat und/oder wenn bestritten wird, dass eine erhebliche Anzahl von Angehörigen der eigenen Nation daran aktiv teilgenommen hat. Der Ausdruck "Verleugnung" oder "Leugnung des Holocaust" wird anstelle des häufigeren Begriffs "Revisionismus" verwendet. Dies geschieht hauptsächlich deshalb, weil viele derjenigen, welche die Realität des Holocaust verfälschen, verdrehen und relativieren sich selbst als "Revisionisten" bezeichnen, um damit Seriosität vorzugaukeln. Man unterscheidet dabei zwischen drei Spielarten von Verleugnung: vollständige, ablenkende und selektive.

Die vollständige Verleugnung besteht darin, zu bestreiten, dass der Holocaust überhaupt stattgefunden hat. In Rumänien ist die vollständige Leugnung, wie auch in anderen ehemaligen kommunistischen Staaten, ein "Importartikel" aus dem Westen, der keinerlei lokalen Ursprung aufweist.

Die ablenkende Verleugnung leitet die Verantwortung für den Holocaust in andere Richtungen; für die Verübung der Verbrechen werden die Deutschen, Randelemente der Gesellschaft oder sogar die Juden selbst beschuldigt. Sofern die Juden selbst das Ablenkungsziel darstellen, sind auch weitere Unterscheidungen - in Abhängigkeit von dem herangezogenen Hauptargument - möglich: (1) das Gottesmörder-Argument, demzufolge die Juden mit dem Holocaust nur den Preis dafür bezahlen, dass sie Jesus Christus töteten, (2) das Verschwörungsargument, wonach selbst Hitler durch die Juden an die Macht kam, (3) das Verteidigungsargument, wonach die Juden Hitler nötigten, legitime Maßnahmen zur Selbstverteidigung zu ergreifen, (4) das Reaktionsargument, wonach die mangelnde Loyalität gegenüber ihrem Gastland eine derartige Reaktion gegen sie auslöste, und schließlich (5) das Anklageargument, welches besagt, daß die Juden selbst den Holocaust geplant und ausgeführt haben.

Die Befürworter der selektiven Verleugnung des Holocaust bestreiten seine Existenz im eigenen Land. Mit anderen Worten, sie geben die Existenz des Holocaust an sich zwar zu, bestreiten aber jede Teilnahme der eigenen Landsleute daran. Sofern man eine spezifisch rumänische Variante der Verleugnung des Holocaust sucht, dann hat man beste Aussichten, sie gerade in dieser letztgenannten Form der Verleugnung zu finden.

"Verharmlosung durch Vergleiche" bildet eine wesensverwandte und dennoch eigenständige Kategorie. Diese Kategorie ist komplex und verweist auf missbräuchliche Vergleiche mit dem Ziel, den Holocaust zu minimalisieren, seine Grausamkeiten zu bagatellisieren oder die Erinnerung an diese Tragödie zu relativieren. Man kann zwischen mehreren Kategorien der Verharmlosung durch Vergleich unterscheiden: (1) Bei dem konkurrierenden Vergleich wird behauptet, dass es auch andere Gewalttaten gibt, die schlimmer oder zumindest gleichwertig mit denen des Holocaust sind und diesem daher kein besonderer Stellenwert zukommt. Im Zusammenhang mit Rumänien wird beispielsweise auf Grausamkeiten verwiesen, die von Nazis, Ungarn oder Juden gegen Rumänen verübt wurden, oder sogar auf Greueltaten, die während des Zweiten Weltkrieges von Antonescu und/oder anderen gegen Kommunisten begangen wurden. (2) Bei dem bagatellisierenden Vergleich wird der Holocaust als "normales" Ereignis in der Geschichte präsentiert, das - bei aller Gewalttätigkeit - lediglich eine bedauerliche Kriegsfolge einer wiederkehrenden Erscheinung darstellt. (3) Bei dem provinziellen Vergleich soll der Eindruck vermittelt werden, dass es Juden in Rumänien besser ging als in Nazideutschland oder anderen Staaten in vergleichbarem geschichtlichen Kontext. (4) Bei dem ablenkenden Vergleich werden Faschismus und Holocaust als übereifrige Reaktionen auf den Kommunismus dargestellt. Gemäß dieser nationalistischen Logik, werden Kommunismus und die Juden in einem Atemzug genannt und damit den Juden unterstellt, dass sie den Holocaust provoziert hätten. (5) Bei dem aufrechnenden Vergleich werden die faschistischen Verbrechen nur unter der Bedingung anerkannt, dass andere Greueltaten in der Geschichte ebenfalls zur Sprache kommen. Oft wird der Holocaust mit dem Gulag verglichen und damit verharmlost. Eine häufig wiederkehrende Form dieser Verharmlosung wird von Alan S. Rosenbaum und Vladimir Tismăneanu als "Wettbewerb des Märtyrertums" beschrieben. Mit Hinweis auf die Opferzahlen, wird der Akzent auf den kommunistischen Völkermord gesetzt, während die Einzigartigkeit des Holocaust und die Erfordernis, ihm eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen, bestritten werden. Eine weitere Variante vergleichender Verharmlosung verweist auf das "Monopol des Leidens", welches die Juden vermeintlich besitzen und mündet in der Behauptung, dass dieses "Monopol" dazu führt, dass des Kommunismus nicht angemessen gedacht wird. Schließlich werden Juden häufig angeklagt, das Aufkommen des Kommunismus gefördert zu haben, was dazu dienen soll, den Holocaust rückwirkend zu rechtfertigen oder zu "erklären".

In der Zeit der kommunistischen Herrschaft in Rumänien wurde der Holocaust, ähnlich wie in anderen Staaten in Mittel- und Osteuropa, verfälscht oder einfach ignoriert, ungeachtet der antifaschistischen Rhetorik der offiziellen Propaganda. Am Ende des Krieges und unmittelbar danach war die Kommunistische Partei Rumäniens (PCR) in der Frage gespalten, wie sie mit der jüngsten rumänischen Geschichte umgehen soll. Es können zwei gegensetzliche Richtungen ausgemacht werden. Für die erste Richtung steht Lucrețiu Pătrășcanu, der von "staatlich verordnetem Antisemitismus" und über eine "massive, systematische und methodische Ausrottung der jüdischen Bevölkerung" während des rumänischen Antonescu-Regimes sprach. Damit räumt Pătrășcanu die Verantwortung Rumäniens für den Holocaust ein. Seine Herangehensweise wurde jedoch nie ernst genommen.

Heiliggesprochen wurde dagegen die zweite Herangehensweise zur Vergangenheitsbewältigung der jüngsten Geschichte. Ihr normatives Leitbild lieferte das berühmte Standardwerk Geschichte der Volksrepublik Rumänien, herausgegeben von Mihail Roller. Rollers Buch stellt den rumänischen Faschismus als Verkörperung des "Monopolkapitals" dar, der - ohne Unterstützung im Volk - strikt von Nazideutschland gelenkt wurde. Im Gegensatz zu Pătrășcanu wurden in der "Geschichte" von Roller die Juden und Roma durch Kommunisten und Rumänen als Hauptopfer des Faschismus ersetzt. Er ignorierte den Antisemitismus als ein bestimmendes Kennzeichen der Antonescu-Diktatur. Diese Vorgehensweise beherrschte sowohl alle nachfolgenden Geschichtsbücher, als auch die offizielle kommunistische Geschichtsschreibung, wenn es um die rumänische Geschichte in der Zwischenkriegszeit und während des Zweiten Weltkriegs ging.

In den 60er-Jahren signalisierten der offizielle Kurs und die Geschichtsauffassung eine Rückkehr zu nationalen Themen, als Ergebnis der Bemühungen der PCR-Führung, von der UdSSR abzurücken; für diese Politik sollte die Unterstützung im Volk und bei den Eliten mobilisiert werden. Ungeachtet dessen, dass die Doktrin von Roller zum Ende der 50-er Jahre verworfen wurde und der historische Diskurs in den 60er-Jahren eine Wende zum Nationalismus nahm, blieb der Umgang mit dem Holocaust unverändert, selbst wenn der Faschismus eine Neuinterpretation erfuhr. Das Werk von Roller wurde kritisiert, weil darin ein zu radikaler Bruch mit der vorkommunistischen Geschichtsschreibung proklamiert wurde. Diese Wandlungen werden besonders während der Regierungszeit von Nicolae Ceaușescu (1965 - 1989) sichtbar, als das kommunistische Regime eine lokale Abart des Nationalkommunismus annahm, welcher aus einer Verbindung aus Ultranationalismus und Neostalinismus resultierte.

Rumänische Historiker der 70er- und insbesondere der frühen 80er-Jahre führten eine qualitative Unterscheidung in den zwei Phasen der faschistischen Diktatur ein. Die erste, durch die Legionärsbewegung beherrschte Phase (1940 - 1941), wurde von diesen Historikern sehr tendenziös dargestellt. Für die Legionäre fand man Bezeichnungen, wie "Hooligans", "Terroristen" und "Verräter", Begriffe, die sie als nicht repräsentative Randgruppe erscheinen ließen. Anders gingen die selben Historiker mit der zweiten - diesmal von Ion Antonescu beherrschten - Phase (1941 - 1944) um. Dadurch wirkt Antonescu als weniger blutrünstig und verantwortungslos. Während die Untaten der Legionäre als willkürliche Tötungsakte dargestellt werden, werden die Verbrechen der Antonescu-Diktatur in den Kontext einer Notstandslage eingeordnet und damit der Eindruck erweckt, dass der rumänische Diktator einen sehr begrenzten Handlungsspielraum hatte. Seine Entscheidungen sollen durch den Krieg sowie nationale und internationale Umstände bestimmt worden sein, Umstände, die ihn eher als Objekt denn als Subjekt handeln ließen. Der Antisemitismus wird kaum als Bestandteil des Faschismus dargestellt und die wahren Ausmaße der jüdischen Tragödie werden minimalisiert. Als Hauptopfer der Nazipolitik gelten die - ethnischen - Rumänen und Kommunisten und die Autoren werden nicht müde, den "radikalen" qualitativen Unterschied zwischen Nazideutschland und dem Antonescu-Rumänien zu betonen, ein Rumänien, das in diesem Vergleich bedeutend gemäßigter als Hitler-Deutschland wirkt.

Dies erklärt die bezeichnende Veränderung der Terminologie, welche in den 70er-Jahren die "faschistische Diktatur" unter Antonescu in eine "militärfaschistische Diktatur" verwandelte. Gegen Ende der 80er-Jahre wurde die Sprachschöpfung "militärfaschistische Diktatur" ihrerseits abgedrängt, denn sie legte eine Beteiligung der Armee an der Politik nahe. Danach wurde das Antonescu-Regime entweder als "totalitäres Regime", oder als "Ein-Personen-Diktatur" betitelt. Begriffe, wie "Holocaust", "Endlösung" oder "Genozid" wurden peinlichst in der Geschichtsschreibung dieser Zeit vermieden. Folgerichtig setzten gegen Ende der 70er-Jahre und insbesondere in den 80er-Jahren die Bemühungen ein, Marschall Antonescu als Patrioten zu rehabilitieren. Diese Bemühungen wurden teilweise von Vertretern aus dem Ausland unternommen; hierbei spielte der Magnat Iosif Constantin Drăgan eine besondere Rolle. Die kommunistische rumänische Geschichtsschreibung bemühte sich - aus verschiedenen Gründen und in unterschiedlichen Zeiträumen - stets, das Ausmaß der Greueltaten zu minimalisieren, die gegen die Juden verübt worden sind, und zwar unabhängig davon, ob dies auf rumänischem Territorium oder in den von der rumänischen Regierung verwalteten Gebieten geschehen ist. Weiterhin wurde die rumänische Beteiligung an dem Holocaust bestritten. Im postkommunistischen Rumänien finden sich die Verleugnungsmuster in veränderter Form wieder. Die Rumänen wurden erneut als Opfer des Nazismus dargestellt, von deren Verantwortung wurde abgelenkt, das Ausmaß der Greueltaten wurde minimalisiert, Rumänien stellte sich in fabelhafter Selbsttäuschung als Zufluchtsort für Juden dar, Antonescu wurde rehabilitiert und viele andere gleichartige Meinungsäußerungen verschafften sich Gehör.

Im postkommunistischen Rumänien war die Verleugnung des Holocaust ein diffuses Phänomen, das in der Politik, den wissenschaftlichen Publikationen und den Massenmedien sichtbar wurde. Die Partei Großrumänien (PRM) und die ihr angeschlossenen Medien verfügen über die umfassendste "Datenbank", wenn es um nationalistische Äußerungen und Aktionen in den vergangenen 15 Wendejahren geht. Aber auch nationalistische Aktivisten und Historiker, die unter dem kommunistischen Regime groß geworden sind, übten Solidarität und verfolgten bzw. erweiterten die Verleugnungstaktiken und nährten damit die Pro-Antonescu-Stimmung. Mehr noch, zahlreiche Einzelpersonen, Gruppen und Veröffentlichungen greifen aus verschiedenen Gründen auf nationalistische Themen zurück. In Abhängigkeit von den verwendeten Argumenten und unter Berücksichtigung der vorgenannten konzeptionellen Struktur, wurde folgende Taxonomie erarbeitet:

Vollständige Verleugnung. Zehn Jahre vor seiner "Konversion zum Philosemitismus" in 2004, schrieb Corneliu Vadim Tudor, der Führer der PRM, dass er erfahren habe, "dass englische und amerikanische Wissenschaftler die Existenz des Holocaust bestreiten, da Beweise und logische Argumente belegen, dass die Deutschen niemals sechs Millionen Juden haben vergasen können, denn dies sei physisch und technisch nicht möglich gewesen." Der Holocaust, fügte er hinzu, sei nichts anderes als "eine zionistische Strategie, Deutschland im Verlauf der letzten 40 Jahre um ca. 100 Milliarden Mark zu erpressen und jeden zu terrorisieren, der sich nicht dem jüdischen Joch unterwirft." Kein rumänischer Autor verfolgte jedoch das Verleugnungsargument eifriger und entschiedener als Radu Theodoru. Nach seiner Auffassung, besteht die Bedeutung der revisionistischen Vorgehensweise in dem Nachweis, dass "die gesamten Nürnberger Prozesse Racheakte der Sieger über die Besiegten gewesen sind." Theodoru charakterisiert die Nürnberger Prozesse wie folgt: "Ein Prozess des zionistischen Nazismus gegen den deutschen Nazismus, oder, genauer, des jüdischen Nazismus gegen den arischen Nazismus; nichts anderes, als eine Auseinandersetzung unter Rassisten."

Ablenkende Verleugnung. Diese Art der Holocaust-Verleugnung findet sowohl breiten Raum in Politikeräußerungen nach dem Fall des Kommunismus, als auch in den Geschichtsbüchern. Schon zu Beginn der 90er-Jahre forderte Radu Câmpeanu, der ehemalige Präsident der Nationalen Liberalen Partei (PNL), die Rehabilitierung des Marschalls Antonescu, eines "großen Rumänen". Hierbei verlegte Câmpeanu die Schuld an den Gewalttaten während des Holocaust in den deutschen und ungarischen Verantwortungsbereich. Er behauptete, dass Rumänien während des Krieges praktisch ein von den Nazis besetztes Land gewesen sei. Darüber hinaus, ergänzte er, hätten sich in keinem anderen Land unter der Einflusssphäre der Nazis so wenige Verbrechen gegen die Juden zugetragen, wie in Rumänien.

Historiker, wie Maria Covaci und Mircea Mușat, beides Berühmtheiten zur Zeit von Ceaușescu, wiederholten nach 1990 die ablenkende Interpretation der jüngsten Geschichte. Im Rumänien der Jahre nach 1990, ebenso wie in anderen Staaten in Mittel- und Osteuropa, gehören die Nationalisten zu denjenigen, die versuchen, die Schuld an dem Holocaust den Juden zu geben.

In Rumänien sehr verbreitete Verschwörungstheorien gehören auch zu der ablenkenden Verleugnung des Holocaust. Aus der Sicht von Theodoru, war Hitler nichts anderes, als eine willfährige Marionette in den Händen der Juden, dazu geeignet, den Juden einen Schreck einzujagen, um sie nach Palästina zu vertreiben. Währenddessen behauptete Ion Buduca im April 1998 in der România Literară [Literarisches Rumänien], der angesehenen Wochenzeitung des Schriftstellerverbandes, dass der Antisemitismus ein zionistisches Manöver war, um die jüdische Emigration zu beschleunigen. Schon 1993 schrieb der Chefredakteur der Zeitschrift Europa, Ilie Neacșu (später Parlamentarier der PRM): "Nach unserem Kenntnisstand, hat Hitler die Saujuden nicht im Jordantal abgeschlachtet, sondern vielmehr in Berlin, wo die Nachfahren von Judas nach dem Ersten Weltkrieg Wirtschaft, Kultur und Politik in Deutschland für sich vereinnahmt hatten."

Während einige Leugner des Holocaust bereit sind, anzuerkennen, dass gewisse Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Juden "notwendigerweise" ergriffen worden sind, tun sie gleichzeitig alles, um zu unterstreichen, dass diese Maßnahmen nur die Antwort auf die mangelnde Loyalität der Juden gegenüber Rumänien waren. Sie argumentieren hauptsächlich damit, dass die Juden in 1940 die sowjetischen Besatzer in Bessarabien und der Nordbukowina unterstützt hätten, dass sie sich an Erniedrigungen und Quälereien der im Rückzug befindlichen rumänischen Armee beteiligt hätten, und mehr noch, dass sie an der physischen Liquidation der rumänischen Militärs teilgenommen hätten. So betrachtet, könnten die Pogrome von Dorohoi und Galați im Juni 1940, das Pogrom von Iași und die in Transnistrien begangenen Greueltaten - selbst wenn man nur die minimalen Opferzahlen ansetzt - als Akte der Selbstverteidigung und/oder spontane Rachehandlungen interpretiert werden. Dieses Argument wird unterschiedlich gewichtet. Während einige den Juden die Alleinschuld geben, stellen andere nur ihre Teilschuld fest, die jedoch durch angeblich kriegsspezifische "komplexe" und "spannungsgeladene" Umstände verstärkt wird. Typisch für die erste Version ist die Arbeit von Alex Mihai Stoenescu. In seinem Buch Armata, mareșalul și evreii [Die Armee, der Marschall und die Juden] wird nicht die systematische Planung der Gewalttaten unterstrichen, sondern vielmehr argumentiert, dass der Tod von Tausenden von Zivilisten in den Todeszügen die Folge einer Fahrlässigkeit und nicht etwa einer vorsätzlichen Handlung war. Er schließt damit, dass es nicht das erste Mal in der Geschichte sei, dass "Hunderttausende Unschuldiger" für die "Schuld einer Handvoll [jüdischer Kommunisten]" zu zahlen gehabt hätten.

Ein prominenter Vertreter der so genannten Reaktionstheorie ist der Historiker Gheorghe Buzatu, der dazu einen Beitrag in einem Geschichtsband aus dem Jahr 1995 leistet. Dieser Band ist ein Nachtrag zu der "Geheimgeschichte" des Zweiten Weltkriegs, welche in den letzten Jahren der kommunistischen Herrschaft erschienen war. Zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung hatten die Ansichten von Buzatu über den Holocaust bereits einen notorischen Charakter angenommen. Sie erschienen in Kurzform in einer Broschüre, die von Buzatu in dem Verlagshaus der Eisernen Garde, Majadahonda, veröffentlicht wurde. Buzatu vertritt die Auffassung, dass Rumänien nicht die Täter-, sondern die Opferrolle im Holocaust zukommt. Mehr noch, er behauptet, dass Rumänien durch die Juden einen eigenen Holocaust ab dem Jahr 1940 erlitten habe.

Diese letztgenannte Form der ablenkenden Verleugnung des Holocaust, die mit Abstand beleidigendste für das Andenken an die Opfer, weist den Juden die Täterrolle im Holocaust zu. In einem "Offenen Brief" vom Februar 1997 an Dr. Nicolae Cajal, den leider verstorbenen Präsidenten der Föderation der Jüdischen Gemeinden in Rumänien, behauptete Ion Coja, Philologieprofessor an der Universität von Bukarest, dass im Januar 1941 in Bukarest kein Pogrom stattgefunden habe. Coja räumte zwar ein, dass möglicherweise einige Juden während der Rebellion gegen Antonescu im Januar umgekommen seien, aber niemand jemals Beweise vorlegen könne, dass die Eiserne Garde diese oder andere Morde verübt habe, zu denen auch die Ermordung von Nicolae Iorga zählt. Im September 2003 behauptet Coja, dass die jüdischen Opfer des Pogroms von Bukarest auf das Konto der jüdischen Glaubensgenossen gingen, die - mit den Grünhemden der Legion bekleidet - in Wahrheit Kommunisten waren, die den sowjetischen Interessen dienten: Kompromittierung der Eisernen Garde und Zerstörung ihrer Partnerschaft mit Antonescu.

Selektive Verleugnung. Ebenso wie die ablenkende Verleugnung des Holocaust, hat auch die selektive Verleugnung ihren Ursprung in einer nationalistischen Entlastungsstrategie. In diesem Zusammenhang sind erneut Buzatu und Coja in Erscheinung getreten. Im Verlauf der 90er-Jahre wirkte Buzatu als Herausgeber oder Vorwortschreiber einer Reihe von Geschichtsbänden, die die Eiserne Garde und ihren Führer in ein günstiges Licht stellten. Damals war er noch bereit, zuzugeben, dass die Garde Verbrechen verübt hatte, stellte diese aber als nationale rumänische Reaktion auf den wachsenden Bolschewismus und seine Verbrechen dar, dem, wie er behauptete, sich die Juden angeschlossen hätten. In jüngster Zeit wandte er sich vollständig der selektiven Verleugnung von Coja zu. Im Juli 2001 veranstalteten Coja und Buzatu ein Symposium in Bukarest, unter der Überschrift "Holocaust in Rumänien?", ein Titel, der für sich alleine spricht. Diese Konferenz endete damit, dass Coja die Liga zur Bekämpfung des Antirumänismus (LICAR) gründete und sich selbst zum Präsidenten kürte.

Die Annahme der Regierungseilverordnung Nr. 31 vom 13. März 2002 beweist, dass selektive Verleugnungstaktiken nicht nur unter extremistischen Intellektuellen und Politikern grassieren, sondern auch offizielle staatliche Stellen betreffen. Die Verordnung untersagt die Aktivität von faschistischen Organisationen, die öffentliche Verwendung rassistischer und fremdenfeindlicher Symbole und die Verehrung von Personen, die für "Verbrechen gegen den Frieden und die Menschlichkeit" verurteilt worden sind, zu denen auch Antonescu zählt. Weiterhin verbietet die Verordnung, in öffentlichen Räumen - mit Ausnahme der Museen und Forschungsinstitute, sofern es zu ihrem Forschungsfeld gehört - Standbilder oder Gedenktafeln dieser Personen auszustellen sowie Straßen und Plätze nach ihnen zu benennen. Nicht zuletzt, verbietet die Verordnung 31/2002 die öffentliche Verleugnung des Holocaust und seiner Folgen.

Das Schicksal dieser Verordnung bleibt jedoch ungewiss. Nachdem sie dem Parlament vorgelegt wurde, schlugen Abgeordnete verschiedene Veränderungen vor, die - deren Annahme vorausgesetzt - ihre Wirkung verwässern würden. Der wichtigste Änderungsantrag, vorgebracht von dem Abgeordneten Gheorghe Buzatu, definiert den Holocaust als "systematische Massenvernichtung der jüdischen Bevölkerung in Europa, organisiert von den Nazibehörden während des Zweiten Weltkrieges." Mit anderen Worten, folgt man dieser Definition, hat es in Rumänien keinen Holocaust gegeben, da die Vernichtung der Juden "von den Nazibehörden organisiert" und nicht von den rumänischen Behörden veranlasst wurde. Dieser Änderungsantrag passt genau zu dem Konzept der selektiven Verleugnung des Holocaust, das von Buzatu und seinen Gefolgsleuten vertreten wird, nach dem sich der Holocaust nicht in Rumänien, sondern anderswo abgespielt hat. Sollte das Parlament diesem Änderungsantrag nachkommen, dann verliert die Gesetzgebung ihre Bedeutung. Es gilt ergänzend festzustellen, dass die Konstituierung der Wiesel-Kommission auf eine Erklärung der rumänischen Regierung aus Juni 2002 zurückgeht, derzufolge es keinen Holocaust "innerhalb der rumänischen Grenzen" gegeben habe; dies führte in der Konsequenz zu einer heftigen Kontroverse, begleitet von einem internationalen Medienecho.

Die im Ausland lebenden Rumänen spielten eine entscheidende Rolle bei der Formulierung und Verbreitung der nationalistischen Argumente, sowohl vor, als auch nach 1989. Dennoch müssen wir festhalten, dass die Auslandsrumänen keine geschlossene und homogene Gruppe bilden, deren gemeinsames Kennzeichen der Nationalismus ist. Unter den Auslandsrumänen traten nur einige hervor, die zur Verleugnung des Holocaust neigen, im Gegenzug jedoch, trugen auch bemerkenswert viele Intellektuelle dazu bei, die wahren Ausmaße der Verbrechen der Legionäre unter dem Antonescu-Regime darzustellen.

Gleichwohl die Anhänger der vollständigen Verleugnung des Holocaust eine Randgruppe innerhalb der rumänischen Gemeinde im Ausland darstellten, spielten sie eine entscheidende Rolle als Verbindungsleute zwischen den rumänischen Vertretern des Nationalkommunismus und den Netzwerken rechtsextremistischer Rumänen im Ausland, deren Propagandatexte erfolgreich in Rumänien verbreitet wurden.

Die Strategie der vollständigen Verleugnung des Holocaust wurde aus dem Westen mit Hilfe der Exil-Mitglieder der Eisernen Garde "importiert". Eine Zeit lang war die führende Publikation, die den Positionen der Legionäre ein Forum gab, die Gazeta de Vest [Gazette des Westens] aus Timișoara. Die Gazeta de Vest - ebenso wie der Verlag Gordian, der sich auf die Literatur der Garde und ihrer Verbreitung spezialisiert hat - wurden von dem Legionär Zaharia Marineasa finanziert. Während die Gazeta de Vest und ihre Konkurrentin,
Mișcarea [Die Bewegung], die für den Codreanu-Flügel steht, mittlerweile verschwunden sind, erscheinen die Puncte Cardinale [Kardinalpunkte] regelmäßig einmal im Monat. Zwischenzeitlich werden zwei andere monatlich erscheinende Blätter der Garde in Bukarest gedruckt, Permanențe [Beständigkeit] und Obiectiv legionar [Blickwinkel des Legionärs]. Zwar muss die Bedeutung dieser Veröffentlichungen nicht überhöht werden, dennoch sollte ihr nationaler und internationaler Einfluss nicht völlig vernachlässigt werden. Die Neue Rechte ist beispielsweise eine extremistische Organisation, die 1994 gegründet wurde und unter dem gleichen Namen im Internet auftritt sowie regelmäßig die Zeitschrift Măiastra [Vogel-Allegorie aus der rumänischen Mythologie] herausgibt. Selbst im Vergleich zu anderen rechtsextremistischen Gruppen, lässt der gegen die Roma gerichtete Rassismus der Neuen Rechten erschauern.

Wie bereits erwähnt, bildet die Verharmlosung des Holocaust durch Vergleiche eine eigenständige und dennoch mit der Verleugnung des Holocaust verwandte Kategorie. Um sie besser zu verstehen, sind einige zusätzliche Anmerkungen erforderlich. Erstens, die vergleichende Methodik ist und bleibt ein grundlegendes Instrument der Geschichtsforschung. Sie ist auch gleichermaßen eine naheliegende Methode, um den Holocaust zu untersuchen. Bereits seit 1950 und in einem verstärkten Maß im Verlauf der letzten 20 Jahre, wurden zahlreiche Studien veröffentlicht, die den Holocaust mit anderen Völkermord-Phänomenen vergleichen: kommunistischen Greueltaten in der Ukraine und anderen Regionen der ehemaligen UdSSR, Völkermorde in Asien, Völkermord an den Armeniern auf Befehl der türkischen Verwaltung während des Ersten Weltkrieges und andere Völkermorde in jüngerer Zeit. Andererseits wurde der Holocaust in der Nachkriegsgeschichtsschreibung als einzigartiges Phänomen gewertet. Selbst wenn sich nicht alle Geschichtswissenschaftler über die Kriterien, die zu einer einzigartigen Entwicklung führen, einig sind, stimmen sie gleichwohl überein, was den Holocaust anbetrifft. Die Mehrzahl der Historiker stimmt darin überein, dass der grundlegende Unterschied zwischen dem Holocaust und anderen Völkermorden in der "mutwilligen und uneingeschränkten" Anwendung der "Endlösung" besteht, die sich gegen alle Juden - ungeachtet ihres Wohnortes - richtete und keinerlei Ausnahmen zuließ. (Anders, als im Fall der kommunistischen Unterdrückungsmaßnahmen, gab es keine Ausnahmen, d. h. eine Zusammenarbeit mit dem"Feind" schied aus, ebenso wie seine Verwandlung in einen "Menschen neuer Prägung".)

Das intellektuelle und politische Profil der Anhänger der Verharmlosung des Holocaust durch Vergleiche ist sehr unterschiedlich: Leugner und Extremisten an der Seite von Persönlichkeiten mit einem demokratischen Profil und ansonsten makellosem Ruf. Die vergleichende Verharmlosung des Holocaust kommt häufig mit seiner ablenkenden Verleugnung zusammen. Die Leugner des Holocaust verwenden den Begriff "Holocaust" als - semantisch missbräuchliche - Sprachkonstruktion, die die Anerkennung eines jüdischen "Holocaust gegen das rumänische Volk" einfordert oder reden von einem "roten Holocaust", der von den Juden über die Menschheit gebracht worden ist.

Drei Persönlichkeiten unter den Exil-Rumänen verwenden wiederholt in ihren in Rumänien erschienenen Essays und Büchern Formulierungen, welche zu einer Verharmlosung des Holocaust durch Vergleiche führen: Paul Goma, Monica Lovinescu und Dorin Tudoran. Goma, einer der wenigen antikommunistischen Dissidenten, die Ende der 70er-Jahre ins Exil gedrängt wurden, schrieb einige Hefte, in denen er über den "roten Holocaust" gegen das rumänische Volk sprach, an dem die Juden angeblich einen wesentlichen Anteil hatten. Das Leitmotiv seines letzten Bestsellers, Săptămâna roșie [Die rote Woche], wird in folgendem Zitat wiedergegeben: "Der rote Holocaust, auch von ihnen [den Juden] geplant, fing für uns Rumänen ein Jahr vor ihrem an, am 28. Juni 1940, und ist bis heute nicht abgeschlossen." Immer wieder erkennt Goma vorbehaltlos die rumänische Verantwortung und sogar die "Kollektivschuld" an dem "grässlichen Pogrom von Iași" und für die Deportationen nach Transnistrien an. Dennoch behauptet er, dass sich die "für ein halbes Jahrhundert verbotene Wahrheit" auf Racheakte bezieht, die unter kriegsspezifischen Umständen wegen der zuvor von den Juden begangenen Verbrechen ereigneten. Dieses Buch steht stellvertretend für die Verharmlosung des Holocaust durch Vergleiche, enthält aber auch eine Synthese aus Holocaust-Verleugnung und Antisemitismus, die ihresgleichen in den rumänischen Veröffentlichungen der postkommunistischen Zeitspanne sucht.

Das Thema "Monopol des Leidens" gewann in Rumänien und den rumänischen Gemeinden im Ausland erneut an Aktualität, nachdem das Buch Cartea neagră a comunismului [Schwarzbuch des Kommunismus] von Stephane Courtois erschienen ist. Die Kritik, die von Stephane Courtois und J. F. Revel an die Adresse der intellektuellen Linken und der westlichen Politik, für deren Weigerung, den Kommunismus mit der gleichen Vehemenz zu kritisieren, mit der die Linke den Faschismus verurteilte, wurde in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre von zwei Exil-Rumänen fortgesetzt. Dorin Tudoran, ein ehemaliger couragierter antikommunistischer Dissident, der heute in den Vereinigten Staaten lebt, und Monica Lovinescu, die sich unmittelbar nach dem Krieg in Paris niederließ, schlossen sich der Kritik gegenüber Rumänien an.

Stück für Stück, beginnt Rumänien sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen und die Verantwortung dafür anzunehmen. Es ist unvermeidbar, dass Doppeldeutigkeiten weiterhin bestehen, aber es hat den Anschein, dass die politischen und intellektuellen Eliten nunmehr eher als vor einigen Jahren bereit sind, sich den finsteren Zeiten in der Geschichte des Landes zu stellen. Die Konstituierung der Internationalen Kommission zur Erforschung des Holocaust in Rumänien ist ein schlüssiger Beweis für diese Veränderung.

Während die selektive Verleugnung des Holocaust ein wesentliches Merkmal der Geschichtsschreibung bleibt, gibt es gleichwohl Historiker, die den Holocaust mit Professionalismus und Wahrhaftigkeit untersuchen. Dazu gehört beispielsweise Șerban Papacostea, der in bemerkenswerter Weise auf die ersten Bemühungen reagierte, Antonescu zu rehabilitieren. Lucian Boia übernahm die Aufgabe, die Mythen über die Legion und Antonescu sowie die Stereotype über die Juden zu zerstören. Der erste rumänische Historiker, der ein gesamtes Kapitel dem Schicksal der rumänischen Juden während des Holocaust widmete, war Dinu C. Giurescu, in seinem 1999 erschienenen Buch România în al doilea război mondial [Rumänien im Zweiten Weltkrieg].

Darüber hinaus wurden Fachinstitute für die Holocaust-Forschung gegründet. Darunter verdient das Zentrum zum Studium der Geschichte der Juden in Rumänien (CSIER), welches unter der Schirmherrschaft der Föderation der Jüdischen Gemeinden in Rumänien (FCER) tätig ist, eine besondere Erwähnung; das Zentrum hat bereits 1990 eine bahnbrechende Untersuchung über den Holocaust vorgelegt. Bisher hat dieses Institut fünf Dokumentenbände zu dem Thema veröffentlicht. Einige Forschungsinstitute der Rumänischen Akademie organisierten ebenfalls wissenschaftliche Tagungen. Bemerkenswert ist auch, dass das Institut für politische Studien zur Verteidigungspolitik und Militärgeschichte - ehemals eine Bastion der revisionistischen, Antonescu-freundlichen Historiker - zu einem respektablen Forschungszentrum wurde. Die Universitäten von Cluj, Bukarest und Craiova gründeten spezialisierte Institute zur Erforschung der Geschichte der Juden und gleichzeitig erschienen Publikationen, die sich mit der Geschichte der Juden und des Holocaust befassen. Hochrangige Zeitschriften, herausgegeben von traditionsreichen Forschungsinstituten, begannen Artikel zu veröffentlichen, die sich mit der Tragödie der Juden und Roma in Rumänien während des Zweiten Weltkrieges beschäftigen. Die Schulbücher durchlaufen einen Veränderungs- und Verbesserungsprozess, obwohl es hier noch viel zu tun gibt und die Ungenauigkeiten noch sehr zahlreich sind. Die Verlage übersetzen in verstärktem Maß Bücher über die Geschichte der Juden, dennoch muss erwähnt werden, dass der größte Teil dieser Bände in dem Verlag der FCER, Hasefer, erscheinen. Eine neue Generation junger Historiker, zur Zeit noch wenig sichtbar und bestrebt, Arbeiten zu sehr spezifischen Themen zu publizieren, beginnt jedoch sich Gehör zu verschaffen und unter Beweis zu stellen, dass sie befähigt ist, die Zeitspanne des Holocaust aus neuen Blickwinkeln zu betrachten.

Bislang hat es nur beschränkte Bemühungen gegeben, die Geschichte der Juden in Rumänien als integralen Bestandteil der rumänischen Geschichte zu verstehen. Wir hoffen, dass die Annahme des Berichtes und der Empfehlungen der Kommission einen entscheidenden Schritt auf eine kritische Neubewertung der rumänischen Geschichte bedeutet.

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